Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung
6 Schwarzwild
Nicht wiederkäuendes Schalenwild (Allesfresser)
6 Schwarzwild
6.1 Bezeichnungen
| Männlich | Weiblich | |
| Im 1. Lebensjahr: | Frischlingskeiler | Frischlingsbache |
| Im 2. Lebensjahr: | Überläuferkeiler | Überläuferbache |
| Ab dem 3. Lebensjahr: | Keiler | Bache |

6.2 Kennzeichen
- Stammform des Hausschweines (Kreuzungen sind möglich)
- gedrungener Körper
- langer Wurf
- dreieckige, spitze „Teller“
- gespaltene Deckhaare
- Äfterung auch bei ruhig ziehendem Stück erkennbar
- Schneidezähne im Oberkiefer
- hohes Lernvermögen
- wittert und vernimmt ausgezeichnet, äugt sehr schlecht
6.2.1 Sommerschwarte
Meist silbrig-hell

6.2.2 Winterschwarte
meist dunkel (braun bis schwarz)
6.2.3 Frischlinge
Gelbe Längsstreifen bis zum Alter von ca. 4 bis 6 Monaten (identisch mit Säugezeit).
Danach haben die Frischlinge eine rötlich braune Färbung, und am Pürzel ist noch keine Quaste.
6.3 Wildbretgewichte
- Sehr stark schwankend, das Gewicht ist unabhängig vom Alter, aber abhängig vom Nahrungsaufkommen.
- starker Keiler bis zu 150 kg
- starke Bache bis zu 100 kg
- Überläufer bis zu 90 kg
- Frischling bis zu 50 kg
6.4 Bestätigung im Revier (Pirschzeichen)
Trittsiegel, Fährte, Gebräch, Suhle, Malbaum, Lager, Kessel, Direktbeobachtung
6.5 Lebensraum
Sehr anpassungsfähig, wie bei kaum einer anderen Schalenwildart häufigen, oft kurzfristigen Schwankungen unterworfen. Ursprünglich Bewohner von Sumpflandschaften, Laubmischwälder mit hohem Anteil an alten Eichen und Buchen (Mast) sowie angrenzenden Feldern (Getreide und Hackfrüchte), Auwälder, Erlenbrüche, Schilf; im Sommer tagsüber sehr gern zunächst in Raps- danach in Maisschlägen (nach der Ernte der Rapsfelder). Starke Ausdehnung des Verbreitungsareals in den letzten Jahren (vermehrter Maisanbau, gehäufte Mastjahre, milde Winter, frühreife Frischlingsbachen), schlammige Suhlen müssen vorhanden sein.
6.6 Lebensweise
- gesellig in Familienverbänden (Rotten)
- alle Mitglieder der Rotte sind miteinander verwandt
- Überläuferkeiler müssen mit spätestens 18 Monaten die Rotte verlassen, um Inzucht zu vermeiden.
- spätestens ab dem 3. Lebensjahr sind Keiler reine Einzelgänger
- Überläuferbachen bleiben in der Rotte
- die Rotte wird von der Leitbache geführt
- Schwarzwild suhlt, danach scheuern sich die Tiere an Malbäumen


6.7 Rauschzeit
- November (zum Teil ganzjährig möglich)
- Die Leitbache ist für die „Rauschsynchronität“ verantwortlich, d. h., sie sondert Sekrete ab, damit alle Bachen innerhalb der Rotte genau zum gleichen Zeitpunkt rauschig werden.
- Die Keiler suchen die Rotten auf, indem sie wie ein Schweißhund mit tiefem Wurf deren Fährten suchen und verfolgen.
- Die Keiler markieren an Ästen und dünnen Stämmen mit Speichelschaum. Dieser entsteht durch ständiges Schlagen mit dem Unterkiefer und umgibt wie ein weißer Kranz das Gebrech des Keilers.
6.8 Tragzeit
115 bis 120 Tage (3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage)
6.9 Frischzeit
Schwerpunkt im März, aber auch ganzjährig möglich. Gleicher Frischtermin innerhalb der Rotte, daher gleiche Überlebenschancen für alle Frischlinge. Die Bachen sondern sich kurz vor dem Frischen von der Rotte ab (werden Einzelgänger). Jede Bache legt einen Wurf- bzw. Frischkessel aus Zweigen, Farn, Gras (höhere Temperaturen) an, da die Frischlinge sehr empfindlich gegen nasskalte Witterung sind (sie haben noch keine Unterwolle, diese bildet sich erst im Alter von ca. 14 Tagen).

Die Frischlinge bleiben bis zu 14 Tagen im Frischkessel (abhängig von der Witterung). Danach kommen die Bachen mit den Frischlingen wieder in der Rotte zusammen. Verlust der Leitbache bewirkt getrenntes Frischen und ganzjährige Frischtermine (sogenanntes Rauschchaos). Frischlinge kommen sehend und behaart zur Welt.
Wurfstärke in Abhängigkeit vom Alter:
Jüngere Bachen: 2 bis 4 Frischlinge
Ältere Bachen: 6 bis 8 Frischlinge

Schwarzwild hat im Gegensatz zu Hausschweinen nur 8 reproduktionsfähige Zitzen, deshalb kann eine Bache nur 8 Frischlinge säugen! „Überzählige“ Frischlinge verhungern (in der Regel die schwächsten Frischlinge). Frischlinge saugen nach 2 Tagen „zitzentreu“. Verwaiste Frischlinge werden meist in der Rotte geduldet, aber nicht gesäugt. Ammenaufzucht ist nur sehr eingeschränkt möglich!
6.10 Säugezeit
4 bis 6 Monate (siehe Streifenzeichnung in Abschnitt 6.2.3 „Frischlinge“)

6.11 Geschlechtsreife
Frischlingsbachen, die zur Rauschzeit im November ca. 30 kg wiegen, werden in der Regel beschlagen. Nach neueren Erkenntnissen tragen diese Frischlingsbachen mit ca. 60 % zum Nachwuchs bei (werden im März gefrischt, nehmen im November an der Rauschzeit teil und frischen im März, sind also immer noch Frischlingsbachen, erst am 01.04. werden sie zu Überläuferbachen)!
6.12 Ernährung
Allesfresser mit Allesfressermagen (großer, sackartiger Magen)
6.12.1 Fraß
| Baummast: | Eicheln, Bucheckern |
| zur Milchreife: | Mais, Weizen, Hafer, Roggen |
| Hülsenfrüchte: | Bohnen, Erbsen |
| Ölfrüchte | Winterraps |
| Leguminosen: | Rotklee, Luzerne |
| Hackfrüchte: | Kartoffeln, Zuckerrüben |
| Waldpflanzen: | Vor allem in Fehlmastjahren; z. B. Adlerfarn, Bärenklau, Honiggras, Seggen, Binsen, Blätter von Heidel- und Himbeere |
| tierische Nahrung: | Engerlinge, Larven, Regenwürmer, Mäuse, Forstschädlinge, Aas etc. |
6.13 Wildschäden
- Überwiegend Feldschäden, zum Teil aber auch im Wald
- Fraßschäden (Getreide, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben)
- Schäden durch Brechen im Grünland im Frühjahr und im Herbst (Suche nach Engerlingen, Larven und Mäusen).
- Schäden durch Brechen auf Äckern im Winter/Frühjahr auf der Suche nach untergepflügten Ernterückständen (vor allem Mais oder Zuckerrüben) der Vorfrucht.


6.14 Gebiss
Allesfressergebiss mit 44 Zähnen
Mittelstellung zwischen Raubtiergebiss (spitze, scharfe Zähne im vorderen Teil) und Wiederkäuergebiss (breite Mahlzähne im hinteren Teil).
Milchgebiss mit 28 Zähnen (bei Geburt bereits kleine Schneidezähne vorhanden).
Die Zahnentwicklung ist mit 24 Monaten abgeschlossen.
- hohle (wurzellose) Eckzähne beim Keiler (Gewaff)
- im Unterkiefer Gewehre, im Oberkiefer Haderer
- Die Gewehre sitzen zu 2/3 im Unterkiefer.
- Die Eckzähne der Bachen werden als Haken bezeichnet. Diese sind im Unterschied zum Gewaff des Keilers massiv (bewurzelt).

6.15 Altersschätzung am erlegten Stück
6.15.1 Altersbestimmung bei Frischlingen und Überläufern
Eine Altersbestimmung ist beim Schwarzwild bis zum Alter von 24 Monaten recht genau möglich. Zur Unterscheidung von Frischling und Überläufer genügt ein Blick auf die Schneide- und Eckzähne im Unterkiefer (Unterlippe runterziehen, auch nach Eintritt der Totenstarre möglich).
a. Eckzähne: Wechsel mit ca. 10 Monaten (in der Regel Frischling)
b. Schneidezähne: bilden mit 24 Monaten eine Front (meißelförmige Front)
S3: Wechsel mit 12 Monaten (in der Regel Frischling)
S1: Wechsel mit 15 Monaten (Überläufer)
S2: Wechsel mit 18 Monaten (Überläufer)

6.15.2 Altersschätzung bei älteren Stücken (über 24 Monate)
Für die Altersschätzung von Keilern wurde früher die Brandtʼsche Formel verwendet (zum Teil wird sie noch heute angewendet). Diese ist aber sehr ungenau. Deshalb ist es sinnvoll, auch beim Schwarzwild nach dem Abschluss der Zahnentwicklung (24 Monate) das Alter anhand der Abnutzung der Backenzähne zu schätzen.


6.16 Trittsiegel

6.17 Lautäußerungen
- Blasen
- Grunzen
- Klagen
- Wetzen
6.18 Wilddichte
2 Stück/100 ha
6.19 Zuwachs
200 bis 300 % bezogen auf den gesamten Frühjahrsbestand
6.20 Jagdzeiten
| Frischlinge, Überläufer, Keiler, nicht führende Bachen | ganzjährig |
| Führende Bachen | sobald deren Frischlinge keine gelben Längsstreifen mehr haben |

