Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

8 Pirschzeichen

Der Begriff Pirschzeichen hat zwei Bedeutungen:

Speziell die Zeichen am Anschuss und in der Wundfährte

Allgemein alle Zeichen, die das Wild im Revier hinterlässt 

8.1 Pirschzeichen am Anschuss bzw. in der Wundfährte

Diese Pirschzeichen lassen Rückschlüsse auf den Sitz und damit auf die Wirkung der Kugel zu; somit sind sie wichtig für den Zeitpunkt des Beginns einer Nachsuche und für das Verhalten bei der Nachsuche (Totsuche oder Hetze).

8.1.1 Schweiß

Folgende Schweißarten werden unterschieden:

1.hellrot und blasigLungenschweiß (Totsuche)
2.braunrot und grießig Leberschweiß (nach 2-3 h i.d.R. Totsuche)
3.dunkel mit PanseninhaltWeidwundschuss (nach 2-3 h i.d.R. Totsuche)
4.hellrot / blasenlosWildbretschweiß (zu Stande hetzen)

8.1.2 Knochensplitter

8.1.3 Zähne/Organteile/Panseninhalt

8.1.4 Eingriffe

Sind besonders tiefe Schalenabdrücke am Anschuss

(durch die plötzliche Flucht verursacht; Eingriffe sind auch bei einem Fehlschuss möglich!)

8.1.5 Ausrisse

Herausschleudern von Erde, Gras, Laub aus den Eingriffen; auch bei einem Fehlschuss möglich!

8.1.6 Haare

Schnitthaare

abgeschnitten ohne Wurzel, entstanden beim Einschuss

Risshaar bzw. Schlaghaar

mit Wurzel, entstanden beim Ausschuss

mit Hilfe eines Schnitthaarbuches kann der Sitz der Kugel sehr exakt bestimmt werden!

8.1.7 Kugelriss

Als Kugelriss wird die Stelle bezeichnet, an der das Geschoss ins Erdreich eingeschlagen ist, Je flacher der Schusswinkel, umso länger der Kugelriss. Kugelrisse sind sowohl bei Treffern als auch bei Fehlschüssen zu finden.

Wichtig ist auch das richtige Verhalten am Anschuss! Nicht auf dem Anschuss herumtrampeln! 

8.2 Behandlung nicht tödlich getroffenen Wildes 

8.2.1 Grundsätze 

  • Keine Jagdausübung, ohne dass ein brauchbarer Jagdhund zur Verfügung steht!
  • Bei Such-, Drück- und Treibjagden, bei Jagden auf Wasserwild und Waldschnepfen und zur Nachsuche auf jedes Wild müssen brauchbare Jagdhunde in genügender Zahl mitgeführt und nur solche verwendet werden (Orientierung: 7:1).
  • Vor Abgabe eines Schusses stets Anschuss einprägen!
  • Bei Gesellschaftsjagden darf der Stand während des Treibens grundsätzlich nicht verlassen werden! 

8.3 Verhalten bei Nicht-Schalenwild

Zunächst wird der brauchbare Jagdhund zur freien Verlorensuche geschnallt. Der Hund apportiert das noch lebende Wild, das dann vom Jäger getötet werden muss.

8.3.1 Feldase/Kaninchen

An den Hinterläufen aufnehmen und mit einem Stock oder Handkantenschlag hinter die Löffel abschlagen; Transport außen am Rucksack, um Verhitzen zu vermeiden!

8.3.2 Federwild

Schlag auf den Kopf mit Stock (Abfedern ist aus Tierschutzgründen abzulehnen!); Transport an der Jagdtasche am Hühnergalgen (Verhitzen!!)

8.3.3 Fuchs und Dachs

Raubwild final durch Fangschuss erlegen oder der brauchbare Jagdhund wird das Raubwild abtun (töten) und dann apportieren.

8.4 Verhalten bei Schalenwild

Wenn das Schalenwild in Sichtweite liegt, aber noch nicht verendet ist:

  • Sofern möglich, weiteren Schuss mit der Langwaffe antragen!
  • Alternativ: Fangschuss mit der Kurzwaffe (E0 mind. 200 Joule) auf höchstens 5 m Entfernung aufs Blatt.

Abfangen durch Stich in die Kammer mit Weidblatt bzw. Jagdmesser. Bei Rehwild war früher das Abnicken mit einem Jagdnicker üblich: Trennung des Rückenmarks durch Stich mit dem Jagdnicker zwischen Atlas (1. Halswirbel) und Hinterhauptbein, Wenn das Abnicken vom Jäger nicht beherscht wird, muss es unterbleiben! Dann wird das Stück abgefangen.

Wenn das beschossene Stück außer Sichtweite flüchtet:

  • Nachladen, ca. 15 Minuten warten (warum?)
  • Mit geladener Waffe zum Anschuss, Anschuss untersuchen und verbrechen, brauchbaren Jagdhund hinzuziehen
  • In der Regel  2-3 Stunden warten (krank werden lassen, um unnötiges Aufmüden und Hetze zu vermeiden).
  • Nur bei Herz- und Lungenschuss kann bereits nach 15 Minuten nachgesucht werden.
  • Keine Nachsuchen bei Dunkelheit! Nachsuchen sind keine Nachtsuchen! (außer sichere Totsuchen), Problem: Fangschuss wegen Dunkelheit unmöglich!
  • Immer zuerst Riemenarbeit, geschnallt wird erst, wenn das kranke Stück vor dem Hund aus dem Wundbett hoch wird.
  • Stellt der Hund das angeschweißte Wild, gibt ausschließlich der Hundeführer den Fangschuss! (weil er seinen Hund abrufen kann)
  • Beim Stellen versucht der Jagdhund das angeschweißte Stück Wild zu binden. Hierzu fasst er ihm z. B. kurz in die Hinterläufe.
  • Merke: Der Fangschuss hat aus tierschutzrechtlichen Gründen immer Vorrang vor dem Abfangen, da es für ein Tier keine größeren Qualen gibt, als vom Menschen angefasst zu werden!

8.5 Allgemeine Pirschzeichen

Allgemeine Pirschzeichen sind wichtig, wenn es darum geht, eine Wildart im Revier zu bestätigen:

ZeichenErklärung
TrittsiegelEinzelner Fußabdruck
FährteEine Reihe von Trittsiegeln beim Schalenwild
SpurenEine Reihe von Trittsiegeln beim sonstigen Haarwild (z. B. Hase, Fuchs)
GeläufEine Reihe von Trittsiegeln beim Federwild
SuhleMit wenig Wasser gefülltes Schlammbad, das wichtig für Rot- und Schwarzwild ist
MalbaumEin Baum, an dem sich Rot- und Schwarzwild nach dem Suhlen scheuert
Fege- und SchlagstelleRinde und Bastverletzung an jungen Bäumen durch männliche Cerviden mit dem Geweih/Gehörn (beim Abstreifen des Bastes bzw. Markieren des Reviers)
SchälschadenAbbeißen, abnagen oder abziehen der Rinde zur Nahrungsaufnahme durch Cerviden, außer Reh, sowie Boviden und Hasenartige
PlätzstelleRehwild scharrt mit dem Vorderlauf(zur Reviermarkierung oder um Äsung bzw. ein Bett freizuscharren
SasseRuheplatz des Hasen; i.d.R. oberflächliche Mulde
HuderplatzSandige oder staubige Stelle, in denen Hühnervögel ein Staubbad nehmen, um sich von Milben zu befreien
RupfungStelle, an der ein Greifvogel einen Vogel geschlagen hat; der rupfende Greifvogel zieht die Federn der Beute samt unversehrten Federkielen heraus
RissStelle, an der Raubwild ein Beutetier gerissen hat; bei Vögeln wird dabei der Federkiel abgebissen
LosungKot beim Haarwild
GestüberKot beim vorwiegend pflanzenfressenden Federwild
Geschmeiß/SchmelzKot bei Greifen, Möwen, Kormoran 
GewölleAusgewürgte, unverdaute Nahrungsreste (Speiballen) von z. B. Greifen, Eulen (mit Knochen), Möwen, Krähen, Reiher
HexenringRingförmige Trampelpfade; entstehen beim Treiben des weiblichen Rehs durch den Bock in der Blattzeit Ende Juli/Anfang August
WechselRegelmäßig genutzter Weg von Schalenwild
PassRegelmäßig genutzter Weg von sonstigem Haarwild (Raubwild, Feldhase, Kaninchen)

8.5.1 Trittsiegel von verschiedenen Schalenwildarten

8.5.2 Trittsiegel von verschiedenen Raubwildarten

8.5.3 Trittsiegel von verschiedenen Federwildarten