Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

14 Ausbildung des Jagdhundes

14.1 Wie lernt der Hund?

Der Hund lernt durch Einsicht. Er verknüpft mit bestimmten Vorgängen gute oder schlechte Erfahrungen.

In den entsprechenden Situationen müssen wir immer wieder in gleicher Weise auf ihn einwirken; je nachdem mit Lob oder Strafe. Das Lernen des Hundes basiert also auf wiederholten Erfahrungen.

14.2 Stubendressur

Mit der 8. bis 10. Lebenswoche beginnt die Ausbildung des Hundes in Form der sogenannten Stubendressur. Sie umfasst grundlegende Gehorsamsübungen (wie etwa „Sitz“, „Down“, „Komm“ auf Ruf und Pfiff) sowie die Stubenreinheit. Diesen Grundgehorsam lernt der junge Hund eher in der Stube, da er in der gewohnten Umgebung weniger abgelenkt wird und sich der Einwirkung des Führers nicht entziehen kann (auch im eingezäunten Garten möglich). Außerdem kommen jetzt schon die Reizangel und Futterschleppen zum Einsatz. Entscheidend bei der Stubendressur ist, dass der Welpe/Junghund nicht überfordert wird und der Hundeführer stets geduldig ist.

Der Welpe/Junghund durchläuft zwischen der 10. Lebenswoche und dem 6. Lebensmonat folgende Phasen:

  1. Bis zur 12. Lebenswoche: Sozialisierungsphase
  2. Zwischen der 13. und 16. Lebenswoche: Rangordnungsphase
  3. Zwischen dem 5. und 6. Lebensmonat: Rudelordnungsphase

14.3 Grundabrichtung

14.3.1 Inhalt

Umfasst die jagdliche Ausbildung und beginnt etwa mit dem 4. bis 6. Lebensmonat. Die Ausbildung kann im Wesentlichen in Arbeiten vor dem Schuss, nach dem Schuss und in Arbeiten ohne Schuss unterteilt werden.

14.3.2 Tätigkeiten des Hundes vor dem Schuss

Suchen und Vorstehen

Der Jäger geht mit seinem Vorstehhund über das Feld, auf der Suche nach Fasan, Feldhase oder Rebhuhn. Der Vorstehhund sucht in flotter Quersuche mit hoher Nase und gegen den Wind das Feld weiträumig ab; sobald er Wildwitterung hat, soll er markieren, anziehen, vorstehen und schließlich durchstehen (gelegentlich auch durchstehen).

Buschieren

Der Jäger bewegt sich mit seinem Vorsteh- oder Stöberhund entweder im Wald (lückige Kiefernkultur, Stangenholz), über Brachflächen oder durch Senfschläge hindurch. Der Hund sucht unter der Flinte (bis 25 m) – Wildarten: Fasan, Feldhase, Kaninchen, Schnepfe

Stöbern

Das Stöbern erfolgt in dichter Deckung, in der der Jäger keine Sichtverbindung zum Hund hat und ihm nicht mehr folgen kann, z. B. im Wald (Dickungen) oder im Schilf. Der Jäger sucht sich einen Stand und schnallt seinen Hund. Der Hund durchstöbert die Dickung nach Wild, das er mit dosierter Wildschärfe, Spur-, Fährten- oder Sichtlaut dem Führer oder Nachbarschützen zutreiben soll. Wichtig ist dabei, dass der Hund „bogenrein“ arbeitet, d. h., er soll den „Bogen“, die abzusuchende Deckung, nicht verlassen. Beim Überjagen der Grenze des Treibens hinter gesundem Wild muss der Hund in angemessener Zeit (60 Minuten lt. BP MV) in das Treiben zurückkehren und seine Arbeit wieder aufnehmen.

Hunderassen: Stöberhunde, Teckel, Terrier, Bracken, deutsche Vorstehhunde – Wildarten: Schalenwild, Fuchs

Brackieren

Auf Hase (und Fuchs) mit einer Bracke, Flächengröße mindestens 1.000 ha; vor allem im Mittelgebirge

Bauarbeit

Bodenjagd auf Fuchs; der Hund soll einschliefen, vorliegen (mit Vorliegelaut) und das Raubwild aus dem Bau sprengen. Für die Bejagung von Kaninchen werden gelegentlich Kaninchenteckel eingesetzt.

Wasserarbeit

Hier werden Wasserfreude, Apportierfreude, ausdauerndes Stöbern, Schussfestigkeit, Gehorsam und Härte (Unempfindlichkeit des Hundes gegenüber niedrigen Wassertemperaturen) vorausgesetzt; zudem muss der Hund eine Schwimmspur ausarbeiten können.

Bei der Ausbildung dürfen insgesamt maximal drei lebende Enten pro Hund verwendet werden.

14.4 Tätigkeiten des Hundes nach dem Schuss

14.4.1 Bis Fuchsgröße 

Verlorensuche und Verlorenbringen = Apportieren

Der Hund soll das zu apportierende Wild sauber aufnehmen und bringen, ohne Befehl vor dem Hundeführer vorsitzen und das Wild erst auf Befehl ausgeben (Kommando: „Such verloren Apport!“). Der Hund ist bei der Verlorensuche von Niederwild bzw. Fuchs frei, also nicht am Riemen. 

Als Anschneider, Totengräber, Knautscher bzw. Rupfer bezeichnet man Hunde, die beim Apportieren prüfungssausschließende Fehler im Verhalten zeigen.

Futterschleppe

Zur Vorbereitung auf die Schweißarbeit, um den Einsatz der Nase zu fördern, ab ca. 10 Wochen möglich (evtl. mit Verweiserpunkten).

14.4.2 Arbeit auf der künstlichen Schweißfährte

Vorbereitung für die Nachsuche auf angeschweißtes/angefahrenes Schalenwild. Getropfte oder getupfte Schweißfährte; gelegentlich auch mit Fährtenschuh.

Die Einarbeitung erfolgt zunächst auf der Futterschleppe, danach auf getupfter oder getropfter Schweißfährte; anschließend wird die künstliche Schweißfährte am mindestens 6 m langen Schweißriemen ausgearbeitet. (Kommando: „Such verwund“). Die Schwierigkeit wird erhöht, indem die Stehzeit (bis zu 40 Stunden) und die Fährtenlänge erhöht werden.

Achtung: Bei sehr heißem Wetter ist die Nasenleistung des Hundes verringert, da die Nasenschleimhäute schneller austrocknen. Bei sehr strengem Frost hat der Hund ebenfalls große Schwierigkeiten, die Wundfährte zu halten, da diese kaum Wundwitterung abgibt.

Durch Zugabe von Panseninhalt zum Schweiß kann die Intensität der künstlichen Schweißfährte erhöht werden. Im praktischen Jagdbetrieb kann die Nachsuche als Totsuche, als Hetze, als Kontrollsuche, als Fehlsuche oder als Fehlhetze verlaufen.

Wildarten: Schalenwild

Zu Stande hetzen

Im Verlauf einer Nachsuche (also im praktischen Jagdbetrieb) wird der Hund geschnallt, wenn das angeschweißte Stück Wild wegflüchtet (also am Stück). Er verfolgt und stellt das angeschweißte Stück Schalenwild (Wildschärfe erforderlich, Standlaut), bis der Hundeführer den Fangschuss angetragen hat; schwaches Schalenwild (Rehwild, schwache Rot- und Damkälber) kann der Hund auch abtun.

Zusammenfassung:

14.5 Sonstige Tätigkeiten (ohne Schuss)

14.5.1 Schleppenarbeit

Künstliche Duftspur zur Ausbildung zum Verlorenbringen. Das Schleppwild (Hase, Kanin, Ente, Fasan, Fuchs) wird an einer Schnur über den Boden hinter sich hergezogen und am Ende der Schleppe abgelegt. Der Hund wird am simulierten Anschuss zum freien Verlorenbringen geschnallt. Die Schwierigkeit einer Schleppe lässt sich vor allem durch eine Verlängerung der Schleppenstrecke erhöhen. Auch die Stehzeit der Schleppe kann man zur Schwierigkeitssteigerung geringfügig erhöhen. 

Eine Schleppe wird immer mit Nackenwind gelegt! Die Schleppenarbeit ist etwa ab dem 6. Lebensmonat möglich; wichtig ist, dass der Zahnwechsel abgeschlossen ist.

Negativ: Anschneider, Knautscher, Rupfer, Totengräber

14.5.2 Bringtreue

Ohne Wundspur; Hund bringt zuverlässig zufällig gefundenes Wild oder z. B. Abwurfstangen. Bei der Bringtreueprüfung (Btr) werden mehrere Füchse ausgelegt; der Hund muss aus der freien Suche den ersten Fuchs, den er findet, bringen – und das ohne jeden Einfluss des Hundeführers. Durch diese Prüfung soll die besondere Zuverlässigkeit des Gebrauchshundes im Bringen festgestellt werden.

14.5.3 Spurarbeit und Spurlaut

Ausarbeiten von Spuren bzw. Fährten (Schalenwild), damit der Hund lernt, die Nase konzentriert einzusetzen. Der Spurlaut wird auf der frischen Spur des für den Hund nicht mehr sichtbaren Hasen geprüft. Hierzu wird eine Streife simuliert. Die Hundeführer mit ihren angeleinten Hunden und die Richter laufen über das Feld. Sobald man einen Hasen gefunden hat und dieser außer Sichtweite ist, wird ein Hund auf dieser frischen Hasenspur angesetzt. Beim Ausarbeiten der frischen Hasenspur soll er Spurlaut geben.

14.6 Beizjagd

Jagd mit ausgebildeten (fachsprachlich abgetragenen) Greifen und Falken auf Wild in seinem natürlichen Lebensraum, wird auch als Falknerei bezeichnet. Für diese Jagdform sind brauchbare gute Vogelhunde nicht nur unverzichtbare Gehilfen, sondern auch durch das Jagdgesetz vorgeschrieben (der Vogelhund ist in der Regel ein Vorsteh- oder Stöberhund).