Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

7 Die wichtigsten parasitären Erkrankungen

7.1 Erkrankungen durch Innenparasiten (Endoparasiten)

7.1.1 Kokzidiose

  • Tritt bei Schalenwild, Fuchs, Marderartigen, Feldhase, Wildkaninchen, Federwild auf

7.1.1.1 Übertragung

  • Mit der Losung ausgeschiedene Dauerformen des Parasiten werden mit der Äsung aufgenommen.
  • Verluste sind bei Jungwild sehr hoch.

 7.1.1.2 Krankheitsbeschreibung

  • Weiße Herde im Dünndarm, Darmentzündung
  • Durchfallerkrankung, tritt vor allem in nasskalten Sommern auf
  • Vor allem Junghasen betroffen
  • Wildkörper unschädlich beseitigen

7.1.2 Toxoplasmose

  • Zoonose
  • Befällt vor allem Katzen
  • Die erkrankten Katzen scheiden große Mengen von Eiern aus.
  • Der Mensch kann Zwischenwirt sein.
  • Gefährlich ist sie für menschliche Embryos.
  • Der Erreger kann auf das ungeborene Leben übergehen und Früh- oder Totgeburten auslösen; in seltenen Fällen Schäden am Zentralnervensystem oder Erkrankungen an den Augen.
  • Übertragung entweder durch zufällige Aufnahme der mit dem Katzenkot ausgeschiedenen Eiern (z. B. bei der Gartenarbeit durch verunreinigtes Erdreich oder kontaminiertes Gemüse/verunreinigten Salat)
  • Schwangere: Bluttest (Prüfung, ob Antikörper gegen Toxoplasmose entwickelt sind und sie damit geschützt sind)

7.1.3 Sarkosporidiose

  • Zoonose
  • Sarkosporidien gelangen im Verlauf der Entwicklung auf dem Blutweg in die Muskulatur, wo sie kammerartige Zysten bilden.
  • Beim Wild kommmen Sarkosporidien besonders beim Schwarzwild und Muffelwild (80 %), beim Rot- und Rehwild (bis zu 100 %) sowie bei Hasen und Wildenten vor.
  • Am toten Tier sind die Sarkosporidienzysten als längliche, reiskornähnliche, weiße Einlagerungen in der Muskulatur liegend erkennbar („Ente mit Reis“).
  • Sie erreichen eine Länge von über 1 mm und sind daher, wenn sie in größerer Anzahl vorliegen, mit bloßem Auge gut erkennbar.
  • Bei hochgradigem Befall oder wenn das Fleisch hierdurch wässrig geworden oder auffällig verfärbt ist, ist das Wildbret nicht verzehrfähig!
  • Erkrankungsfälle beim Menschen sind selten.
  • Die meisten Infektionsfälle verlaufen harmlos.
  • Wildbret nicht verwerten

7.1.4 Saugwürmer

7.1.4.1 Leberegelbefall

  • Vorkommen: Schalenwild, Feldhase, Wildkaninchen
  • Bei unserem Wild parasitieren im Wesentlichen der Kleine und der Große Leberegel.
  • Die Entwicklung ist immer an einen Zwischenwirt gebunden.

Großer Leberegel: Zwischenwirt sind Zwergschlammschnecke (feuchte Reviere)

Kleiner Leberegel: Zwischenwirte sind Landschnecken und Ameisen (trockene Reviere)

Den Großen Leberegel kann man ertasten; um den Kleinen Leberegel festzustellen, muss man einen Schnitt in die Leber machen.

Übertragung

  • Das Wild infiziert sich beim Wasserschöpfen oder bei Aufnahme von Äsung mit Leberegellarven.
  • Die Leberegellarven durchbohren die Darmwand und wandern durch die Bauchhöhle zur Leber.
  • Sie setzen sich schließlich in den Gallengängen fest und wachsen zum geschlechtsreifen Leberegel heran.
  • Die von den Leberegeln abgesetzten Larven gelangen mit der Losung ins Freie. Dort entwickeln sie sich in einem geeigneten Zwischenwirt weiter.
  • Beurteilung: Leber genussuntauglich, daher unschädlich beseitigen; das Wildbret ist, wenn keine starke Abmagerung besteht, genusstauglich.

7.1.4.2 Duncker´scher Muskelegelbefall

  • Vorstufe des adulten Saugwurms
  • Auch der Mensch kann sich mit dem Duncker’schen Muskelegel infizieren.
  • Eine Infektion des Menschen kann z. B. durch den Genuss von nicht ausreichend erhitztem und befallenem Wildschweinfleisch entstehen.
  • In der Vergangenheit wurde wiederholt bei der Trichinenuntersuchung von Schwarzwild der Duncker’sche Muskelegel festgestellt.
  • Beim Menschen kann es zu gefährlichen Erkrankungen durch den Verzehr von befallenem Fleisch kommen!
  • Wird der Dunkersche Muskelegel festgestellt dann wird das Schwarzwild nicht für den Verzehr freigegeben, sondern sichergestellt.

7.1.5. Bandwurmbefall

  • Bandwürmer kommen bei fast allen Wildarten vor: Schalenwild, Raubwild, Hasenartigen, Federwild.
  • Je nach Bandwurmart handelt es sich um Parasiten von sehr unterschiedlicher Körperlänge (wenige Millimeter bis mehrere Meter).
  • Die Entwicklung der Bandwürmer ist immer an einen Zwischenwirt gebunden.
  • Der Zwischenwirt ist Träger der Finne (Larvenstadium).
  • Bandwurmfinnen, für die das Wild als Zwischenwirt dient, stammen fast ausschließlich von Bandwurmarten, deren Endwirte der Hund oder der Fuchs sind.
  • Deshalb ist es besonders wichtig, dass verändertes Wildbret oder der Aufbruch nicht an Hunde verfüttert bzw. auf dem Luderplatz ausgelegt werden.
  • Der Endwirt scheidet mit der Losung Bandwurmeier aus, die von Zwischenwirten aufgenommen werden.
  • Im Zwischenwirt entwickelt sich das Larvenstadium (Finne), aus dem nach der Aufnahme durch den Endwirt eine neue Bandwurmgeneration entsteht.
  • Wenn beim Aufbrechen von Wild Bandwurmfinnen festgestellt werden muss eine FU durchgeführt werden.

7.1.5.1 Fuchsbandwurmbefall

  • Gilt neben der Trichinose als eine der gefährlichsten parasitären Erkrankungen des Menschen in Mitteleuropa.
  • Durch die lange Inkubationszeit und die schleichende Zerstörung vornehmlich der Leber wird eine Behandlung der Erkrankung zusätzlich erschwert.
  • Durch die Aufnahme von Bandwurmeiern, z. B. beim Abbalgen von Füchsen, kann der Mensch zum Fehlwirt werden.
  • Aufnahme der Fuchsbandwurmeier über verunreinigte Waldfrüchte (selten), Fuchs, Hund (Eier im Balg bzw. Fell). Der Krankheitsverlauf beim Menschen ist schleichend. Die Inkubationszeit kann bis zu 15 Jahre betragen.
  • Das Larvenstadium verursacht beim Menschen die Infektionskrankheit Echinokokkose.
  • Darunter versteht man die Erkrankung an einer Bandwurmfinne, zu 95 % ist davon die Leber betroffen.
  • Der Kleine Fuchsbandwurm ist ca. 2 mm lang.
  • Füchse scheiden die Bandwurmeier mit der Losung aus. Die Bandwurmeier sind sehr leicht und werden vom Wind vertragen (auf Gräser und Kräuter)
  • Mäuse als Zwischenwirt nehmen die Bandwurmeier, die sich auf der Nahrung der Mäuse befinden, auf.
  • Im Darm des Zwischenwirts (Maus) schlüpft die Larve, die über die Blutbahn zur Leber gelangt.
  • Dort entwickelt sich die Larve zur Finne. In den Finnenbläschen erfolgt die Bildung von vielen Tausend Kopfanlagen.
  • Die Maus wird dadurch geschwächt und leicht zur Fuchsbeute.
  • Aber auch nach dem natürlichen Tod des Zwischenwirts bleiben die Finnen mit den Kopfanlagen noch lange infektiös. So können sich Tiere, die sich von Aas ernähren (Fuchs, Hund, Katze), noch lange anstecken.
  • Im Fuchsdarm wird die Finne verdaut und die frei gewordenen Kopfanlagen setzen sich im Dünndarm des Endwirts fest. Es entwickeln sich bis zu 200.000 Bandwürmer.
  • Nach ca. 40 Tagen werden diese vom Fuchs ausgeschieden.
  • Auf Hygiene bei Haustieren achten (Fellpflege, Entwurmung)
  • Vorsichtsmaßnahme beim Abbalgen von Füchsen: Fuchs tauchen (Balg nass machen), Mundschutz, Einmalhandschuhe, Waldfrüchte abkochen!

7.1.6 Rund- oder Fadenwürmer

7.1.6.1 Magen-Darm-Wurmbefall

  • Vorkommen: Schalenwild außer Schwarzwild, Feldhase, Wildkaninchen, Federwild
  • Eier werden mit dem Kot ausgeschieden, es entwickeln sich Larven, die vom Wild mit der Äsung aufgenommen werden.
  • Evtl. Durchfall (verschmutzter Spiegel)
  • Magen-Darm-Würmer führen zu hohen Verlusten beim Rehwild im Frühjahr. Von Magen-Darm-Würmern befallene Stücke sind am verschmutzten Spiegel zu erkennen. Gelegentlich führt der Befall zu Gehörnabnormitäten, auch Wurmgehörne genannt: Widdergehörn, Korkenziehergehörn.
  • Allerdings gibt es auch einen zweiten Grund für einen verschmutzten Spiegel im Frühjahr beim Rehwild: Äsungsumstellung!

Unabhängig von der Ursache: Ein verschmutzter Spiegel beim Wild ist immer ein bedenkliches Merkmal. Wurde ein Stück Wild mit verschmutztem Spiegel erlegt, muss es vor dem Verzehr von einem amtlichen Tierarzt untersucht werden (oder man entsorgt das Stück direkt fachgerecht).

7.1.6.2 Spulwurmbefall

  • Vorkommen: Schwarz-, Reh-, Muffel-, Gamswild, Raubwild, Federwild
  • Übertragung über ansteckungsfähige Eier
  • Am lebenden Tier: unspezifisch, z. T. Durchfall, Abmagerung
  • Am toten Tier: Dünndarmentzündungen, blutige Darmschleimhautverletzungen
  • Häufig Milk Spots (weiße Punkte) auf der Leber
  • Wenn keine Veränderungen an Wildbret und Organen (z. B. Abszesse) vorliegen, ist das Wildbret verzehrfähig; die Leber muss entsorgt werden.

7.1.6.3 Lungenwurmbefall

Vorkommen: Wiederkäuendes Schalenwild, Schwarzwild, Feldhase, Wildkaninchen, Haarraubwild

Es werden drei verschiedene Arten von Lungenwürmern unterschieden:

  1. Großer Lungenwurm: kein Zwischenwirt, Aufnahme der Larven mit der Äsung
  2. Kleiner Lungenwurm: Zwischenwirt Schnecken, Ansteckung mit infektiösen Schnecken
  3. Lungenwurm Schwarzwild: Zwischenwirt Regenwürmer, Ansteckung mit   infektiösen Regenwürmern
  • Den Großen Lungenwurm findet man in der Lunge oder der Luftröhre (ähneln optisch kleinen Spaghetti; Schnitt in die Luftröhre bzw. Lunge erforderlich, um den Großen Lungenwurm zu finden).
  • Den Kleinen Lungenwurm und den Lungenwurm beim Schwarzwild sieht man auf der Lunge (gelbe Brutknoten auf den Lungenflügeln). Nicht mit Abzessen verwechseln (Abzesse sind eitergefüllte Kammern)
  • Organ unschädlich beseitigen, Wildbret genusstauglich; kein bedenkliches Merkmal!

7.1.6.4 Trichinose

  • Vorkommen: Schwarzwild (und Hausschwein), Fuchs, Dachs, Bär sowie alle anderen fleisch- und allesfressenden Säugetiere
  • Übertragung durch Aufnahme von trichinös befallenen Fleisch
  • Die aufgenommenen Muskeltrichinenlarven werden im Dünndarm durch den Magensaft frei und entwickeln sich zu geschlechtsreifen Trichinen.
  • Die weiblichen Trichinen gebären in den nächsten 4 Wochen ca. 1.000 Trichinenlarven; die etwa 1/10 mm großen Larven bohren sich durch die Darmwand und siedeln sich in der Muskulatur an.
  • Die Larve wird allmählich bis zu 1 mm groß, rollt sich spiralig auf und kapselt sich ein (5 bis 6 Wochen nach der Ansteckung). Muskeltrichinen sind jahrelang ansteckungsfähig, können aber auch verkalken und absterben.
  • Hauptquelle sind unsachgemäß beseitigte Fuchskadaver und Fuchskerne.
  • Bei Schwarzwild, Fuchs, Dachs, Bär sowie allen anderen fleisch- und allesfressenden Säugetieren muss eine Trichinenuntersuchung durchgeführt werden, wenn das Stück zum Verzehr freigegeben werden soll.
  • Die Proben werden vom Zwerchfellpfeiler (ersatzweise Unterzungenmuskulatur) und von der Vorderlaufmuskulatur genommen. Die Probenentnahme erfolgt durch den berechtigten Jäger, die Untersuchung wird von einem amtlichen Tierarzt durchgeführt. Es wird hierbei nur noch die Digestionsmethode (Verdauungsmethode) angewendet. Die (alte) Quetschmethode wird heute nicht mehr angewendet.
  • Für Schwarzwild wird das Ergebnis der Trichinenuntersuchung auf dem Wildursprungsschein dokumentiert (bzw. die Übernahme der Anmeldepflicht zur Untersuchung).
  • Trichinenuntersuchung!
  • Vor Abschluss der Untersuchung darf das Schwarzwild nicht zerwirkt werden (es darf höchstens abgeschwartet werden).  Kein Verzehr bzw. keine Abgabe der Leber vor Abschluss der Trichinenuntersuchung.
  • Inverkehrbringen von (Schwarz-) Wild ohne Trichinenuntersuchung = Straftat!
  • Wann ist der Jäger zur Trichinenprobeentnahme berechtigt? Wenn er einen entsprechenden Lehrgang absolviert hat und der zuständige Amtstierarzt den Jäger berechtigt.

7.2 Außenparasiten (Ektoparasiten)

7.2.1 Räudemilbenbefall (Sarkoptesräude)

  • Der Erreger der Räude ist die Grabmilbe.
  • Die Milben bohren sich in die Haut ein und legen dort ihre Eier ab.
  • Die mit Juckreiz verbundene Krankheit ist durch eine entzündliche Hautverdickung mit dicken grauen Borken, Haarausfall und Abschuppung gekennzeichnet.
  • Anfangsstadien sind besonders an Haupt und Träger zu erkennen.
  • Die Räude tritt seuchenartig bei Fuchs, Dachs, Marderhund, Schwarzwild und Gams auf.

7.2.3 Rachendassellarvenbefall

  • Vorkommen: hauptsächlich Rot- und Rehwild (nicht bei Schwarzwild)
  • Die Rachendasselfliegen sind lebend gebärend.
  • Das Weibchen spritzt dem Wirtstier Larven in den Windfang.
  • Die Larven verhaken sich in den Nasenschleimhäuten und können deshalb nicht ausgehustet werden.
  • Die Rachendassellarven (bis zu 4 cm groß) überwintern bis Mai/Juni im Rachenraum des Wirtstiers.
  • Befallenene Stücke husten gelegentlich.
  • Erkrankte Stücke müssen nicht zwangsläufig erlegt werden.

Abb.: Fuchs mit Räude (massiver Haarverlust)

Abb.: Fuchs mit Räude (massiver Haarverlust)

7.2.4 Fliegenlarvenbefall (Schmeißfliegen)

  • Können bei allen Wildarten vorkommen
  • Fliegenlarven können auf und in Wunden beobachtet werden.
  • Aus den abgelegten Fliegeneiern schlüpfen Larven, die in das Wildbret eindringen und häufig zu bakteriellen Infektionen führen.
  • Aus hygienischen Gründen muss das Wild unschädlich beseitigt werden.

7.2.5 Zeckenbefall

  • Vorkommen: bei allen Wildarten und dem Menschen
  • Zecken sind Überträger gefährlicher Krankheitserreger (FSME und Borreliose) oder auch der Tularämie der Feldhasen und Wildkaninchen.
  • Zeckenbefall beim Wild ist kein bedenkliches Merkmal

7.2.6 Haar- und Federlingbefall

  • Gehören zu den Läusen, sehr wirtsspezifisch; leben nur auf einer einzigen Art oder auf miteinander verwandten Artengruppen.
  • Dementsprechend gehen sie nicht z. B. vom Haustier auf den Menschen über.
  • Saugen nicht wie die Echten Läuse Blut, es sind also keine Blutsauger.
  • Haarlinge ernähren sich von der Haut bzw. den Hautschuppen.
  • Federlinge ernähren sich meist von jungen Federn.
  • Vorkommen: wiederkäuendes Schalenwild, Fuchs, Marderartige (Haarlinge) und Hühnervögel (Federlinge)
  • Am erlegten Wild: z. T. massenhaft am Kopf, Juckreiz, beim Federwild an den Schwingen
  • Wildbret genusstauglich

7.2.7 Kreuzlähme (Schleuderkrankheit)

  • Tritt beim Rotwild auf (vor allem bei Hirschen)
  • Hierfür kommen verschiedene Ursachen infrage, z. B. Stoffwechselstörungen (Kupfer-/Zinkmangel), selten auch im Rückenmark schmarotzende Parasiten (bis zu 7 cm lange Rundwürmer).
  • Symptome: Spreizen der Hinterbeine (Sägebockstellung) und zunehmende Lähmung der Hinterläufe
  • Bewegungsstörungen, Tiere brechen ein (in der Regel hinten)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Starke Abmagerung