Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung
5 Grundbegriffe
5.1 Ökologie
Die Lehre vom „Haushalt der Natur“, von den Beziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt.
5.2 Art
Gruppe von Individuen, die miteinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen können oder zumindest könnten.
5.3 Population
Alle Individuen einer Art in einem bestimmten Lebensraum, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden; Gruppe artgleicher Lebewesen innerhalb eines bestimmten Raumes.
5.4 Biozönose
Lebensgemeinschaft von allen Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Gebiet (Lebensgemeinschaft in einem Ökosystem).
5.5 Biotop
Lebensraum einer Biozönose (Lebensraum einer Lebensgemeinschaft mit charakteristischen Umweltfaktoren)
5.6 Ökosystem
Summe aus Biotop (unbelebter Lebensraum) und Biozönose (Gesamtheit aller in einem Biotop lebenden Organismen); z. B. Wald oder Wattenmeer
Klassisches Beispiel: Aquarium als in sich geschlossenes Ökosystem für Fische, Wirbellose und Wasserpflanzen
5.7 Habitat
Der spezielle Lebensraum einer Tierart, in dem diese regelmäßig anzutreffen ist.
5.8 Symbiose
Zusammenleben artverschiedener Organismen mit wechselseitiger positiver Beeinflussung, z. B.:
- Mikroorganismen im Wiederkäuermagen
- Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Leguminosen
- Mykorrhiza (Symbiose von Pilzen und Pflanzen, insbesondere Bäumen)
- Flechten (Symbiose von Pilze und Algen)
5.9 Photosynthese
Aufbau von Stärke aus CO2 und Wasser mithilfe der Energie des Sonnenlichts, dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Dieser Vorgang vollzieht sich bei Tage in den grünen Blättern (Bildung von Chlorophyll, dem Blattgrün). Nur Pflanzen können auf diese Weise organische Substanz aufbauen.
5.10 Eutrophierung
Nährstoffübersättigung in einem Ökosystem, meist z. B. von Gewässern vor allem aufgrund von Stickstoff- und Phosphateinträgen aus der Landwirtschaft
5.11 Bioindikatoren oder Zeigerarten
Organismen, die empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren und damit Rückschlüsse auf die Qualität der Umwelt erlauben.
- Fischotter und Flusskrebse als Indikatoren für sauberes Wasser
- Flechten als Indikatoren für gute Luftqualität
- Wanderratten, Möwen, Rabenkrähen als Hinweise für Lebensmittelabfälle
5.12 Zeigerpflanzen
Pflanzenarten, die auf besondere Standorteigenschaften hinweisen.
5.13 Biotische Umweltfaktoren
Umweltfaktoren sind Einflussfaktoren, denen Lebewesen in ihrer Umwelt ausgesetzt sind. Als biotische Umweltfaktoren werden Selektionsfaktoren bezeichnet, an denen Lebewesen erkennbar beteiligt sind, z. B. Geschlechtspartner oder Organismen anderer Arten wie Beutetiere, Konkurrenten, Parasiten.
5.14 Abiotische Umweltfaktoren
Selektionsfaktoren wie z. B. Klima, Boden, Licht, Temperatur, Feuer, Wasser, Wind
5.15 Ökologische Nische
Unter einer ökologischen Nische versteht man den Beziehungszusammenhang zwischen Organismus und Umwelt (die Gesamtheit der biotischen und abiotischen Umweltfaktoren). Es wird in diesem Zusammenhang auch von dem „Beruf“, der „Planstelle“ gesprochen, die ein Lebewesen innerhalb der Artgesellschaft ausführt bzw. ausfüllt.
5.16 Sukzession
Entwicklung von Pflanzengesellschaften ohne Einwirkung des Menschen
5.17 Benjeshecke
Aufgeschichteter Strauchwall aus Laubholzästen, in dessen Schutz sich eine Hecke entwickeln kann. Benjeshecken bieten Vögeln und anderem Kleingetier Schutz und Nahrung – durch deren Kot oder Nahrungsdepots wird das Aussamen von Gehölzen beschleunigt. Das Prinzip der Benjeshecke besteht darin, Hecken nicht durch Neuanpflanzungen, sondern durch Windanflug und durch Samen aus dem Kot rastender Vögel entstehen zu lassen. Zitat von Hermann Benjes: „Die Vögel scheißen sich ihre Hecke selbst zusammen.“
5.18 Erosion
Bodenabtrag durch Wasser oder Wind
5.19 Kulturfolger
Tiere oder Pflanzen, die aufgrund anthropogener landschaftsverändernder Maßnahmen Vorteile erlangen und deshalb dem Menschen in seine Kulturlandschaft folgen.
Beispiele: Türkentaube, Turmfalke, Haussperling, Weißstorch, Schleiereule, Amsel, Fuchs,
5.20 Kulturflüchter
Tiere, die die Nähe des Menschen meiden. Bei wachsender Besiedlung und zunehmenden anthropogenen Landschaftsveränderungen geben sie diese Lebensräume auf und verschwinden aus der Kulturlandschaft.
Beispiele: Auerwild, Schwarzstorch, Kranich, Rotwild, Fischotter