Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung
8 Schrotpatronen

8.1 Hülse
- Aus Pappe oder Plastik, Bodenkappe i.d.R. aus Messing
- Sternverschluss (sternförmig eingefalteter Hülsenmund)
8.2 Zwischenmittel (zwischen Pulver und Schrotladung)
- Filzpropfen oder Plastik-Zwischenmittel
- Sonderform Plastik-Schrotbecher, verhindert Bleiabrieb im Lauf und bewirkt eine geringere Streuung bzw. bessere Deckung der Schrotgarbe
8.3 Schrotvorlage
- Für jagdliche Zwecke werden meist Schrotvorlagen von 24 g – 40 g, mit Schrotkorngrößen von 2,5 – 4,0 mm verwendet (gröbere Schrote = „Posten“, > 4 mm sind in Deutschland nicht mehr üblich, seit der Schrotschuss auf Schalenwild verboten ist).
- Je nach Wildart nutzt man unterschiedlich starke Schrotkorngrößen:
| Schrotgröße in mm | Schrotgrößen Nr. | ca. Anzahl der Schrote im Kal. 12/70 | Wildarten |
| 2,5 mm | Nr. 7 | 400 | Rebhuhn, Schnepfe, Kaninchen, Taube |
| 3,0 mm | Nr. 5 | 225 | Ente, Fasan, Hase |
| 3,5 mm | Nr. 3 | 140 | Hase, Fuchs, Gänse |
| 4,0 mm | Nr. 1 | 100 | Dachs |
Es existieren auch Zwischengrößen mit den entsprechenden Zwischennummern,
z. B. 3,75 mm = Nr. 2;
oder 3,25 mm = Nr. 4;
Merke:
- je stärker die Schrotkorngröße desto kleiner die Nummer (Das gröbste Schrot = 4 mm = kleinste Nummer = 1)
- Wirksame Schrotschussentfernung: 10 – 35 m
- Gefahrenbereich (Flugweite): Schrotkorngröße in mm x 100 (bei einem Abgangswinkel von 30 °– 35 °)
- z. B. | Nr. 5 = 3,0 mm = 300 m | Nr. 1 = 4,0 mm = 400 m |
8.3.1 Bleischrot (durch Zusatz gehärtet)
- Das hohe spezifische Gewicht und die geringe Härte von Blei sind ideal für die erforderliche Geschwindigkeit und Deckung der Schrotgarbe sowie für die Schusswirkung
- Nachteilig sind die toxischen Eigenschaften von Blei
- Wasserwild, welches beim Gründeln Bleischrot aufnimmt, trägt tödliche Bleivergiftungen davon, weshalb bei der Wasserjagd unbedingt nur noch Patronen mit nicht aus Blei hergestellten Schroten verwendet werden sollten (in einigen Staaten, z. B. Dänemark, bereits gesetzlich vorgeschrieben)
- Das Fleisch von erlegtem Wild, welches schon einmal mit Bleischrot angeschossen worden war und diese Verletzung ausgeheilt hat, kann stark mit Blei kontaminiert und deshalb gesundheitsschädlich sein
8.3.2 Alternativen zu Bleischrot
Auf dem Markt sind derzeit Patronen mit nicht toxischen Schroten aus
- Weicheisen = Stahlschrot
- Zink
- Wismut.
Unbedingt zu beachten sind die besonders bei Weicheisenschrot gegebenen ballistischen Unterschiede zu Bleischrot:
Wegen des geringeren spezifischen Gewichts sind gröbere Schrote (3,0 – 3,7 mm) erforderlich, um eine ausreichende zielballistische Wirkung zu erzielen.
Dadurch nimmt die Deckung der Schrotgarbe ab, sodass sich die wirksame Reichweite des Schusses auf ca. 25 m verkürzt. Die besondere Härte von Weicheisenschrot hat zudem zur Folge, dass Schäden bei Verwendung von Schrotkorngrößen über 3,2 mm an dafür nicht geeigneten Flinten älterer Bauart entstehen und Schüsse gegen Hindernisse (z. B Zweige), Wasseroberflächen oder gefrorenen Boden häufiger gefährliche Abpraller zur Folge haben können. Wismut hat nahezu die gleichen ballistischen Eigenschaften/Vorzüge wie Blei, einziger Nachteil: seltenes und entsprechend teueres Metall.
8.4 Treibladungspulver
Schrotpatronenpulver ist offensiv (rascher Abbrand, schnelle Gasdruckentfaltung, immer in Plättchenform gepresst, ca. 1 qmm)

8.5 Zündung
Heute sind bei Schrotpatronen nur noch Zentralfeuerzündungen mit Zündhütchen üblich.
8.6 Schrotpatronenkaliber
- Kaliber bei Flinten werden international einheitlich bezeichnet:
- 8 / 10 / 12 / 16 / 20 / 24 / 28 / 36 (.410 Zoll)
- die gängigsten Schrotkaliber sind: 12 / 16 / 20
- wie auch bei Büchsenpatronen wird bei Schrotpatronen das Kaliber auf dem Hülsenboden eingeprägt
Die Kaliberbezeichnungen sind mit dem Laufdurchmesser nicht identisch!
- Kaliber 12 = ca. 18,2 mm Laufdurchmesser
- Kaliber 16 = ca. 16,8 mm Laufdurchmesser
- Kaliber 20 = ca. 15,7 mm Laufdurchmesser
- im Kaliber 12 entsprechen 12 Bleikugeln mit Durchmesser 18,2 mm = 1 engl. Pfund Blei
- im Kaliber 16 entsprechen 16 Bleikugeln mit Durchmesser 16,8 mm = 1 engl. Pfund Blei
- im Kaliber 20 entsprechen 20 Bleikugeln mit Durchmesser 15,7 mm = 1 engl. Pfund Blei
- 1 englisches Pfund = 453,6 g
Merke: je größer die Kaliberangabe, desto kleiner ist der Laufdurchmesser



8.7 Sternverschluss
Die Schrotpatrone wird durch sternförmiges Einfalten verschlossen (heute Standard).
Die Länge der Patronenhülse wird immer im abgeschossenen Zustand auf der Mantelfläche angegeben, z. B. 70 mm oder 76 mm.

8.8 Hülsenlängen von Schrotpatronen
- Die Hülsenlänge ist i.d.R. seitlich auf der Hülse aufgedruckt
- Schrotpatronen mit 65 mm Hülsenlänge werden kaum noch hergestellt, weil moderne Flinten hauptsächlich 70 mm lange oder 76 mm lange Patronenlager haben
8.9 Spezielle Patronen
8.9.1 Magnum-Patronen
- Sind Patronen mit verstärkter Pulver- und meist auch höherer Schrotladung.
- Magnum-Patronen gibt es auch mit Flintenlaufgeschoss
- Dürfen nur aus Gewehren verschossen werden, die verstärkt beschossen wurden und einen entsprechenden amtlichen Beschussstempel (Bundesadler und „V“ bei deutschem Beschuss, heute CIP und „S“ aufweisen)
- Aufdruck auf der Flintenpatrone: max. 1.050 bar und „Magnum“

8.9.2 Streupatronen
- Sind Patronen mit einem Streukreuz in der Schrotvorlage
- Sie streuen stärker als normale Schrotpatronen dadurch gute Deckung auf kurze Entfernung (15 m)
- Werden hauptsächlich verwendet, wenn Flinten mit enger Chokebohrung auf nahe Distanzen geschossen werden (z. B. bei der Waldtreibjagd)

8.10 Flintenlaufgeschosspatronen (FLG)
- Wurden zur Erlegung von Schalenwild mit der Flinte entwickelt
- Einzelgeschosse (24 – 36 g / im Mittel 30 g) zum Verschießen aus glatten Läufen
- Ist wie Büchsenschuss auf alles Wild zugelassen
- Die für Schalenwild vorgeschriebene Mindestenergie bzw. Kaliber gelten nur für Büchsenpatronen und werden z. T. hier auch nicht erreicht
- Gefahrenbereich bis 1.500 m
- Weidgerechte Schussentfernung ca. 35 m, mit Zielfernrohr ca. 50 m
- Das bekannteste FLG ist das „Original Brenneke“ von Wilhelm Brenneke
- i.d.R. aus dem enger gechokten Lauf = bessere Treffgenauigkeit
- V0 440 m/sec
- V35: 330 m/sec
- E35: 1.500 Joule
- Bedeutung: wird in Deutschland heute kaum noch verwendet, auf Drückjagden von der Jagdleitung häufig ausdrücklich verboten

8.10.1 Aufbau
- Hülse wie bei Schrotpatrone, mit umgebördeltem Hülsenrand (vorn offen)
- Schräg gestellte Rippen dienen der Anpassung an die Laufverengung (Choke) im Bereich der Mündung (Blei kann seitlich ausweichen)
- Zylindrisches Geschoss mit Filzpfropfen oder Plastikheck zur Stabilisierung der Geschossflugbahn nach dem Masse-Prinzip („auch Pfeilprinzip“ genannt);
- Dies ist wichtig, da das FLG nicht in eine Rotation um seine Längsachse versetzt wird, weil Flintenläufe glatt sind
- Vor erstmaliger Verwendung Treffpunktlage bzw. Haltepunkt ermitteln!
- UVV beachten (getrennt von Schrotpatronen)
