Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung
7 Büchsenmunition
7.1 Aufbau und Bestandteile einer Büchsenpatrone
- Hülsen (i.d.R. Messing oder vernickelte Stahlhülsen)
- Treibladungspulver (Nitrocellulosepulver)
- Zündung (Zündhütchen mit Sinoxid)
- Geschoss = Projektil

7.1.1 Hülsenaufbau
Am Beispiel einer klassischen Flaschenhülse

- i.d.R. aus Messing
- Randhülsen für Kipplauf- und Blockverschlusswaffen
- Randlose Hülsen werden hautsächlich in Repetier- und Selbstladebüchsen, seltener in Kipplaufgewehren (mit spezieller Auszieherkralle) verwendet
- Gürtelhülse mit ringförmiger Verstärkung (=Gürtel) vor dem Hülsenboden, werden bei sogenannten „Magnum“-Kalibern verwendet
- Die Bodenprägung gibt das Kaliber an und enthält meist auch eine Herstellerangab

7.2 Treibladung (Nitro-Zellulose-Pulver, N)
Früher war Schwarzpulver üblich. Dies hat folgende Nachteile:
- geringer Energiegehalt und starke Rauchentwicklung,
- Deshalb ist heute Nitro-Zellulose-Pulver üblich: hoher Energiegehalt (3 x höher als Schwarzpulver), geringe Rauchentwicklung,
- Beim Treibladungspulver für Büchsen handelt es sich um sogenanntes progressives Pulver, welches vergleichsweise langsam abbrennt und durch entsprechend verzögerte Gasdruckentwicklung gekennzeichnet ist.
- Die Abbrandgeschwindigkeit kann vor allem über die Korngröße des Pulvers variiert werden.
7.3 Nitro-Zellulose-Pulver (rauchloses Pulver)
| Progressives Nitropulver | Offensives Nitropulver |
| Langsames Abbrennen | schnelles Abbrennen |
| für Büchsenpatronen | für Schrotpatronen und Kurzwaffenmunition |
| Wichtig: in Büchsenpatronen darf niemals offensives Pulver verwendet werden, da sich der Gasdruck zu schnell entwickelt. Dies könnte zu einer Laufsprengung führen. Außerdem darf es nie in Läufen verwendet werden, die nicht den N-Stempel tragen. Auch hier kann es sonst zu einer Laufsprengung kommen. | |


7.4 Zündung
- Im Hülsenboden sitzt ein Zündsatz, welcher durch den Schlag des Schlagbolzens zur Explosion gebracht wird und dadurch das Treibladungspulver anzündet.
- Wichtig: quecksilber- und bariumfreier Zündsatz: SINOXID
- Zentralfeuerpatronen haben den Zündsatz in einem speziellen Zündhütchen, welches im Zentrum des Hülsenbodens sitzt.
- Bei Randfeuerpatronen ist der Zündsatz rundum im hohlen Hülsenbodenrand untergebracht.

7.5 Büchsenkaliber (Nennkaliber)
Merke: aus Büchsenläufen darf immer nur die Munition mit der Kaliberbezeichnung verschossen werden, die auch auf dem Lauf/Patronenlager eingraviert ist!
7.6 Deutsche Kaliberbezeichnungen
- Angaben in Millimeter; i.d.R. zwei Zahlen zwischen denen ein „x“ steht, z. B. 7 x 64
- Erste Zahl = Geschossdurchmesser (gerundeter Wert = 7 mm)
- Zweite Zahl = Hülsenlänge (vom Hülsenboden – Hülsenmund = 64 mm)
- Gewehre, die für Randhülsen eingerichtet sind, und die entsprechende Munition werden zusätzlich durch ein „R“ hinter der zweiten Zahl gekennzeichnet, z. B. 7 x 65 R (7 mm Geschossquerschnitt, 65 mm Hülsenlänge, R = Randpatrone)
- Die Vielzahl der auf dem Markt befindlichen metrischen Kaliber lässt sich nach dem Geschossdurchmesser im Wesentlichen in
7.7 Fünf Kalibergruppen zusammenfassen
- 5,6 mm – Patronen v.a. für Rehwild (wenn E100 mind. 1.000 Joule)
- 6,5 mm – Patronen für Rehwild und schwächeres bis mittelstarkes Hochwild
- 7 mm – Patronen für sämtliches mitteleuropäisches Schalenwild (nicht ideal auf sehr starkes Hochwild)
- 8 mm – Patronen für sämtliches mitteleuropäisches Schalenwild
- 9,3 mm – Patronen speziell für mittelstarkes bis starkes Hochwild (außer der 9,3 x 72 R = alte Försterpatrone, da E100 ca. 1.400 Joule)
7.8 Besonderheit im Kaliber 8 mm
Im Kaliber 8 mm gibt es I- und S-Kaliber!
Die S-Kaliber haben einen um ca. 0,1 mm größeren Geschossdurchmesser als die nicht auf diese Weise gekennzeichneten älteren Kaliber 8 x 57 I und 8 x 57 IR.

Aus noch vorhandenen Altwaffen in den Kalibern 8 x 57 I und 8 x 57 IR dürfen keinesfalls die im Geschossdurchmesser stärkeren S-Patronen des Kalibers 8 x 57 IS bzw.8 x 57 IRS verschossen werden, weil sonst die Gefahr von Lauf- und Verschlusssprengungen besteht.
Bei deutschen Herstellern sind „S“-Patronen teilweise zusätzlich gekennzeichnet durch:
- schwarzes Zündhütchen
- Rändelung am Geschoss
7.9 Ringfugenlackierung
Von einigen Patronenherstellern gibt es Patronen mit identischer Geschosskonstruktion, alleiniger Unterschied ist das Geschossgewicht (siehe Abb. 10,5 und 11,5 g), da sich daraus unterschiedliche ballistische Eigenschaften ergeben wird zur Unterscheidung, die Patrone mit dem höheren Geschossgewicht durch eine rote/grüne Ringfugenlackierung gekennzeichnet.

7.10 Anglo-amerikanische Kaliberbezeichnungen (Zollkaliber):
Geben nur den Geschossdurchmesser an, und zwar in 1/100 oder 1/1000 Zoll, beispielsweise .30 oder .308
Das Kaliber wird entweder:
- als Zug – Zugkaliber
- als Feld – Feldkaliber
- als Zug-Feldkaliber angegeben oder
- die Angabe entspricht nicht dem Durchmesser

- Die Hülsenlänge wird nicht angegeben!
- Die Kaliberangabe wird häufig durch den Namen des Kaliber-Erfinders (z. B. „Winchester“), Hinweise auf besondere Eigenschaften der Patrone (z. B. „Magnum“ oder „Hornet“), das Einführungsjahr in die amerikanische Armee (z. B. 06 = 1906 beim Kaliber .30-06) oder Ähnliches ergänzt.
- Umrechnung: 1 Zoll = 25,4 mm (1“ = 25,4 mm)
- Aus der sehr großen US-amerikanischen Kaliberpalette sind bei uns folgende Kaliber relativ weit verbreitet:
- Kalibergruppe .22 = „Kleinkaliber“ (.22 lang = .22 lfB/.22 Win. Mag./.22 Hornet = 5,6 x 35 R) zum Übungsschießen, zur Raubwild- und Raubzeugbejagung
- Kaliber .222 Remington (5,6 x 43) für das jagdliche Übungsschießen, zulässig und brauchbar auch auf Rehwild/Raubwild
- Kaliber .243 Winchester (6,2 x 51) in D nur auf Rehwild zugelassen (E100 würde genügen, Durchmesser ist aber zu klein)
- Kalibergruppe .30 [.308 Winchester (7,62 x 51), .30-06 Springfield (7,62 x 63), .30R Blaser (7,62 x 68), .300 Win. Mag. (7,62 x 67) mit gleichem Einsatzspektrum wie die deutschen 7- und 8 mm-Kaliber]

7.11 Büchsengeschosse – Wirkung von Büchsengeschossen
- im Ziel (Wildkörper) pilzt sich das Geschoss entweder auf (Deformationsgeschosse) oder es zerlegt sich (Teilzerlegungsgeschosse)
- es entsteht ein großer Wundkanal, lebenswichtige Organe werden zerstört
- die tödliche Wirkung des Büchsenschusses beruht auf der Organzerstörung
- Ausschuss ist wichtig, damit das Stück Wild gut ausschweißt
Das ein- und durchdringende Büchsengeschoss verursacht eine durchdringende Schockwelle, die das Körpergewebe schlagartig negativ belastet. Die Druckwelle kann bis zu 100 bar betragen und quetscht somit das durchdringende Körpergewebe schlagartig zusammen (Kaverne), mit abnehmenden Druck fällt das Körpergewebe in seine ursprüngliche Ausgangsform zurück, es bleibt ein Wundkanal. Der temporäre Windkanal kann bis zu 26 x größer sein als das durchdringende Geschoss (Querschnitt).

Anforderungen an ein modernes Büchsengeschoss:
Im Lauf: geringer Reibungswiderstand und wenig Abrieb (Laufablagerungen). Dies wird durch eine Ummantelung mit Tombak oder Flussstahl erreicht.
Im Flug: geringer Luftwiderstand (wenig Energieverlust) stabile Flugbahn durch bestimmte Kopf- und Heckform.
Im Wildkörper: auf der ersten Wegstrecke die notwendige Energie dosiert abgeben und noch genügend Tiefenwirkung haben, um tieferliegende Organe zu erreichen. Schließlich soll ein Ausschuss gewährleistet sein (ausschweißen). Reine Bleigeschosse (haben keine Ummantelung) sind relativ weich und führen bei Geschossgeschwindigkeiten in gezogenen Läufen ab 500 m/sec zu starker Verschmierung der Züge und Felder, was zu Präzisionsproblemen führt. Daher heute nur noch als: Flintenlaufgeschosse sowie in Kleinkaliber- und Kurzwaffenpatronen üblich, nicht mehr als Büchsengeschosse.
Bei den Jagdgeschossen werden zur Zeit folgende Gruppen unterschieden:
- Bleihaltige Deformationsgeschosse einfacher Bauart (z.B. KS, TUG, Blaser CDP)
- Bleifreie Deformationsgeschosse (z.B. Barnes TTSX)
- Bleihaltige Teilzerlegungsgeschosse (z. B. Teilmantel, H-Mantel, TIG)
- Bleifreie Teilzerlegungsgeschosse (z. B. RWS – Evo Green, RWS – TIG nature, GM – Splinter Tip)
- Vollmantelgeschosse
7.11.1 Bleihaltige Deformationsgeschosse
Diese verändern im Wildkörper nur ihre Form, aber nach Möglichkeit nicht ihre Masse. Das Geschoss deformiert also und bleibt in seiner Gesamtheit während es den Wildkörper durchläuft erhalten.
- Keine Splitterbildung, auch beim Auftreffen auf Knochen (was aber leider nicht immer der Fall ist)
- Kleine Geschosspartikel oder Splitter im Wildkörper
- Hohes Geschossrestgewicht
Vorteile:
- Hohe Richtungsstabilität im Wildkörper
- Gute Tötungswirkung
Nachteile:
- hoher Bleieintrag in den Wildkörper
- Teilweise große Wildbretzerstörung
- Gelegentlich kein Ausschuss, v.a. bei einfach konstruierten Deformationsgeschossen
Beispiele: bleihaltige Deformationsgeschosse

7.11.2 Bleihaltige Teilzerlegungsgeschosse
Diese ändern im Wildkörper ihre Form und Masse. Diese Geschosse sind so konstruiert, dass es einen bestimmten Geschossteil durch Splitterbildung abgibt. Je nach Größe der Splitter können diese genauso wie das ursprüngliche Geschoss den Wildkörper durchschlagen und – auch noch auf nicht unerheblichen Entfernungen- Menschen töten! Der Geschossrest soll die Tiefenwirkung sicherstellen.
Vorteile bleihaltiger Teilzerlegungsgeschosse
- Gute Tötungswirkung
- Pirschzeichen und gute Tiefenwirkung
Nachteile bleihaltiger Teilzerlegungsgeschosse
- Splitterbildung
- Größere Wildbretzerstörung
- Bleieintrag in den Wildkörper
Vorteile bleifreier Teilzerlegungsgeschosse
- Gutes Ansprechen des Geschosses
- Gute Tiefenwirkung
- Wenig Wildbretzerstörung
Nachteile bleifreier Zerlegungsgeschosse
- Splitterbildung (wenngleich die Splitter lebensmittelunbedenklich sind)
- Manchmal wenig Pirschzeichen
Beispiele: bleihaltige Teilzerlegungsgeschosse

7.11.3 Bleifreie Geschosse
Das Geschossmaterial der dritten Gruppe (bleifreie Deformations- und Teilzerlegungsgeschosse) besteht fast ausschließlich aus Kupfer oder Tombak (95 % Kupfer, 5 % Zink) oder Messing. Deshalb sind sie härter als die bleihaltigen Geschosse. Diese Geschosse sollen im Wildkörper keine Splitter oder Fahnenanrisse erzeugen. Durch das geringere spezifische Gewicht von Kupfer im Vergleich zu Blei verliert das bleifreie Kupfergeschoss mehr an Geschwindigkeit im Flug. Um dieselbe (kinetische) Energie in den Wildkörper zu bringen wie mit den bleihaltigen Deformationsgeschossen, muss entweder die Geschossgeschwindigkeit oder das Geschossgewicht erhöht werden.. Die Hersteller von bleifreien Büchsengeschossen halten das Gewicht gering und erhöhen deshalb i.d.R. die Geschossgeschwindigkeit. Im Wildkörper deformieren oder zerlegt sich diese Geschosse und vergrößern ihren Kaliberquerschnitt auf das 1,5 – 2-fache.
Vorteile:
- Rasche Deformation oder Zerlegung und gute Tiefenwirkung
- Hohe Ausschusssicherheit
- Wenig Wildbretzerstörung
- Hohe Richtungsstabilität im Wildkörper
Nachteile
- Etwas geringere Tötungswirkung gegenüber bleihaltigen Teilzerlegungsgeschossen
- Manchmal wenig Pirschzeichen am Anschuss
Beispiele: bleifreie Geschosse

7.12 Vollmantelgeschosse
- Sind bis auf den Geschossboden vollständig ummantelt
- Sie verformen sich beim Durchdringen des Wildkörpers kaum und haben deshalb ein hohes Durchschlagvermögen/große Tiefenwirkung bei geringer Wildbretzerstörung, jedoch eventuell nicht die gewünschte Schusswirkung (unzurechende Enegieabgabe)
- Typisch: kalibergroßer Ein- und Ausschuss
- Jagdliche Verwendung in Deutschland: Schuss auf Kleinwild, um wenig Wildbret zu zerstören oder den Balg nicht zu entwerten
- Schuss auf Schalenwild nicht ausdrücklich verboten, aus tierschutzrechtlichen Aspekten für den normalen Jagdbetrieb aber abzulehnen; allenfalls üblich für den Fangschuss bei der Nachsuche
- Bei manipulierten Vollmantelgeschossen besteht die Gefahr des Mantelsteckers!!

7.13 Fertigungslose (Los-Nr. oder Chargen-Nr.)
Trotz Munitionsanfertigung mit Präzisionsmaschinen können zwischen verschiedenen Fertigungsserien einer Laborierung Unterschiede auftreten, die teilweise zu großen Treffpunktabweichungen führen und erneutes Einschießen des Gewehrs erforderlich machen, weshalb stets ein größerer Vorrat an Munition des gleichen Fertigungsloses gekauft werden sollte (mind. 100 Büchsenpatronen). Das Fertigungslos ist durch einen Stempelaufdruck auf der Munitionsschachtel (teilweise innen im Deckel) gekennzeichnet. Bei neuer Losnummer unbedingt einen Kontrollschuss machen.

7.14 Geschossgewichte
Angabe in Gramm (g) oder in grain (gr)
1 grain = 0,0648 Gramm
1 Gramm = 15,432 grain
150 gr = 9,7 g