Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

6 Zieleinrichtungen und Hilfsmittel

6.1 Offene Visiereinrichtungen

  • Laufschiene und Korn (bei Flinten)
  • Kimme und Korn
  • je nach Form unterscheidet man:

6.2 Zielfehler beim Schießen über Kimme und Korn 

6.3 Optische Visiereinrichtungen

Zielfernrohre (ZF); stellen ein System von Linsen dar (Objektiv und Okular), die mit einem Absehen (= Visiereinrichtung im Zielfernrohr) und einer Umkehreinrichtung versehen sind.

6.3.1 Bezeichnungen

z. B.: Auf einem Zielfernrohr steht die Angabe 8 x 56 . Dies bedeutet 8-fache Vergrößerung, 56 mm Objektivdurchmesser oder auf einem anderen Zielfernrohr steht die Angabe 2,5 – 10 x 56: es handelt sich um ein Zielfernrohr mit variabler Vergrößerung von 2,5 – 10-fach und 56 mm Objektivdurchmesser.

Absehen

= Visiereinrichtungen im Zielfernrohr

i.d.R. beleuchtete Absehen (sowohl für den Tag- als auch den Nachteinsatz nutzbar), wahlweise in der 1. oder 2. Bildebene. Bei Drückjagdgläsern häufig in der zweiten Bildebene. In diesem Bereich fand in den letzten Jahren (seit Einführung der Leuchtabsehen) eine gewaltige Weiterentwicklung bzw. Veränderung statt. Da es bei den Absehen ständig Neuentwicklungen gibt, können keine allgemeinen Empfehlungen gegeben werden.

Absehen in der 1. bzw. 2. Bildebene

  • erste Bildebene bzw. Objektivbildebene: wenn die Vergrößerung verändert wird, ändert sich das Absehen (Balken werden dicker bzw. dünner) 
  • zweite Bildebene bzw. Okularbildebene: Absehen bleibt immer gleich, auch wenn die Vergrößerung verändert wird

Vorteile von Zielfernrohren gegenüber Kimme und Korn:

(1) Vergrößerung 

  • bringt das Ziel scheinbar näher heran
  • bei z. B. 4-facher Vergrößerung: erscheint ein auf 100 m stehender Bock nur 25 m entfernt zu sein

(2) Helleres Bild 

  • durch das Linsensystem wird in der Dämmerung Licht, welches durch das Objektiv fällt, gebündelt und als „heller Lichtstrahl“ dem Auge über das Okular zugeführt

(3) Ermüdungsfreies Zielen

  • beim Schießen über Kimme und Korn müssen immer 3 Punkte (Kimme, Korn, Ziel) übereinandergebracht werden
  • das menschliche Auge kann allerdings nur 2 Punkte scharf auf einmal wahrnehmen
  • beim ZF entfällt dies, da nur eine Bildebene vorhanden ist (Absehen und Ziel)

(4) Ausgleichen von Augenfehlern

  • mittels Dioptrieneinstellring am Okular können einfache Augenfehler ausgeglichen werden; demzufolge kann man als Brillenträger beim Schießen auf eine Brille verzichten 

Fehler beim Schießen mit Zielfernrohr

  • Parallaxe = ist die scheinbare Verschiebung des Absehens zum Ziel bei horizontaler oder vertikaler Bewegung des Auges (bei nicht geradem Hineinschauen in das ZF)
  • Fehlervermeidung:
    • Exaktes, zentrisches Hineinschauen in das ZF
    • Einhaltung des Augenabstandes (zwischen 8 – 10 cm zum Okular)

6.4 Zielfernrohrmontagen

  • Voraussetzung für gute Schussleistungen ist neben der Qualität der Waffe und des Zielfernrohres eine gute Montage
  • die Montage ist eine Einrichtung, welche Waffe und Zielfernrohr fest miteinander verbindet 

6.4.1 Auswahl Zielfernrohrmontagen

  • Schwenkmontage (z.B. EAW-Schwenkmontage)
  • Blaser Sattelmontage
  • Suhler Einhakmontage (Vierfußmontage)
  • Picatinny-Schiene
  • Aufschubmontage
  • Festmontage (Nachteil: nicht abnehmbar) 

6.4.2 Vorteile der Montagen 1 – 4:

Das ZF kann rasch, ohne dass sich Treffpunktlageveränderungen ergeben, auf- und abgesetzt werden. Dadurch ist je nach Jagdart (Drückjagd bzw. Ansitz) Schießen wahlweise mit Ansitz- oder Drückjagdzielfernrohr auf einer Waffe oder auch ohne ZF möglich. Das ZF kann zur Vermeidung von Transportproblemen oder Beschädigungen bzw. beim Reinigen der Waffe abgenommen werden.

6.5 Korrektur der Treffpunktlage bei Zielfernrohren

  • moderne ZF erlauben das Einschießen über zwei Schrauben mit Klick-Rastung in der ZF-Mitte
  • die obere Schraube dient der Höhenverstellung
  • die seitliche Schraube dient der Seitenverstellung
  • 1 „Klick“ bewirkt i.d.R. eine Veränderung der Treffpunktlage um 1 cm auf 100 m Entfernung
  • wenn die Waffe z. B. zu weit nach links schießt, muss das Absehen nach links   verstellt werden

6.5.1 Zentriertes Absehen

Bei Verstellung des Absehens beim Einschießen bleibt dieses rein optisch immer in der Mitte stehen.

6.6 Optische Begriffe

6.6.1 Sehfeld

  • ist der überschaubarer Raum, der beim Einblick durch ein optisches Gerät sichtbar wird
  • angegeben wird jeweils die Breite des überschaubaren Raumes
  • bei Zielfernrohren bezieht sich die Angabe jeweils auf 100 m
  • bei Ferngläsern und Spektiven bezieht sich die Angabe jeweils auf 1000 m

Merke: Je höher die Vergrößerung, desto kleiner ist das Sehfeld.

Deshalb wählt man für:

den Schuss auf flüchtiges Wild bei DrückjagdenKleine Vergrößerung, z.B. 2-fache Vergrößerung
für alle übrigen Gelegenheiten(Universal) z.B. 2,5-15 fache Vergrößerung

6.6.2 Austrittspupille (Zusatz-Info)

wenn man das ZF oder Fernglas ca. 30 cm vom Auge entfernt hält, so ist auf dem Okular eine helle kreisrunde Fläche, die Austrittspupille sichtbar

Berechnung: Objektivdurchmesser / Vergrößerung

z. B.: 

4 x 32  -> 32 / 4  = 8 mm

6 x 42  -> 42 / 6  = 7 mm

8 x 56  -> 56 / 8  = 7 mm

10 x 40 -> 40 /10  = 4 mm

  • bei Tagesgebrauch spielt sie eine untergeordnete Rolle
  • bei Gläsern für Ansitz während der Dämmerung oder in der Nacht jedoch entscheidend, hier soll der Wert bei 7 mm liegen
  • eine Überschreitung dieses Wertes bringt keinerlei Vorteile, da selbst junge Menschen selten Pupillen von mehr als 7 mm Durchmesser haben
  • typisches Nachtfernglas:  8 x 42 / 10 x 42 

6.6.3 Lichtstärke (Zusatz-Info)

Wert für Bildhelligkeit

Berechnung: Austrittspupille x Austrittspupille

4 x 32 -> 32 : 4 = 8 -> 8 x 8 = 64 

8 x 56 -> 56 : 8 = 7 -> 7 x 7 = 49

6.6.4 Dämmerungszahl (Zusatz-Info)

  • Maß der Fähigkeit eines Glases, in der Dämmerung Details erkennen zu können
  • optimale Austrittspupille von 7 mm wird vorausgesetzt
  • ein Qualitätsvergleich anhand allein dieses Wertes ist nicht möglich
  • guter Wert für die Dämmerungszahl bei nachtjagdtauglicher Optik: ca. 20

6.6.5 Vergütung (Zusatz-Info)

es handelt sich hierbei um ein auf die Linsenoberfläche aufgedampfter Mineralbelag (grün, blau, rot etc.) zur Minderung der Reflexion 

  • weder die Lichtstärke, noch die Dämmerungszahl allein sagen etwas über die Qualität des ZF/Fernglases aus, erkennbar an gleichen Ausgangswerten eines jeden Glases 
  • (z. B.: 8 x 56), die gleiche Lichtstärke bzw. Dämmerungszahl aufweisen
  • für die Qualität ist neben der Art des Linsenschliffes, der Abstimmung der Linsen aufeinander und der Dichtheit vor allem die Vergütung verantwortlich
  • auftreffendes Licht wird an jeder Linsenoberfläche reflektiert, u.U. kann das bei einer Vielzahl von Linsen bis zu 50 % des auf das Objektiv einfallenden Lichtes ausmachen
  • hochwertige ZF haben Lichtdurchlassgrade von bis zu 95 %

Merke: je besser die Vergütung, desto weniger Reflexion, desto heller das Bild in der Dämmerung oder Nacht. Daneben werden hohe Randschärfe, korrekte Farbwiedergabe sowie guter Bildkontrast erwartet.

6.7 Ferngläser bzw. Binokulare

  • dienen zum Ansprechen und Beobachten von Wild
  • man unterscheidet entsprechend der Anordnung der Prismen nach:

6.8 Spektive bzw. Monokulare

  • Fernrohre mit großen Vergrößerungen (20 bis 60-fach) zum genauen Beobachten und Ansprechen auf große Entfernungen
  • sind entweder teleskopartig ausziehbar oder mit starrem Körper und in der Vergrößerung oft variabel
  • aufgrund der starken Vergrößerung ist genaues Beobachten nur mit Stativ oder entsprechender Auflage möglich
  • Spektive sind für Feldreviere oder das Gebirge geeignet
  • nicht für die Verwendung in der Nacht geeignet (weil Austrittspupille zu klein).

6.9 Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze

Inhaber eines gültigen Jagdscheins dürfen für jagdliche Zwecke Umgang mit Nachtsichtvorsatzgeräte und Nachtsichtaufsatzgeräte haben. Jagdrechtliche Verbote oder Beschränkungn der Nutzung von Nachtsichtvorsatzgeräte und Nachtsichtaufsatzgeräte bleiben unberührt. Nachtzielgeräte, die ein eigenes Absehen haben und statt eines Zielfernrohrs verwendet werden, bleiben auch für Jäger verboten. Abweichend von § 19 Absatz 1 Nummer 5 Buchstabe a des Bundesjagdgesetzes ist es in M/V erlaubt, bei der Jagd auf Schwarzwild, Raubwild und Nutria Nachtsichtvorsatz- oder Nachtsichtaufsatzgeräte zu verwenden. Jäger sollten sich über die Details der jeweiligen Regelungen in ihrem Bundesland informieren.