Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

5 Waffentechnik

5.1 Repetierbüchse – Mauser „M 98“

Die Modellbezeichnung hat ihren Ursprung im Einführungsjahr 1898 als Infanteriegewehr in das preußische Heer.

  • Verschluß: Drehkammer-Zylinderverschluss mit drei Verriegelungswarzen (zwei verriegeln im Hülsenkopf, eine verriegelt in der Hülsenbrücke)
  • Schloss: selbstspannendes Kammer- oder Zylinderschloss ( im Verschluss verbaut)
  • Sicherung: Drei-Stellungs-Drehflügel-Sicherung sichert die Schlagbolzenmutter (Drehflügel auf linker Seite = entsichert, schussbereit [links wie Laut], Drehflügel auf rechter Seite = gesichert, keine Schussabgabe möglich [rechts wie Ruhe], Drehflügel senkrecht nach oben stehend = Demontagestellung, keine Schussabgabe, aber die Waffe läßt sich öffnen, nach Entnahme kann der Verschluß demontiert (auseinander gebaut) werden, 
  • Abzugseinheit: Zwei Abzüge, vorderer Abzug ist ein Druckpunktabzug (Vorzugsweg ohne Reaktion bis zum Druckpunkt, dieser muss mit ca. 20 N überwunden werden = Abzugswiderstand), der hintere Abzug ist ein deutscher Stecher (Doppelzüngelstecher), dient zur Reduzierung des Abzugswiderstandes für einen präziesen Schuss, zum Einstechen wird der hintere Abzug nach hinten gezogen (Klickgeräusch), dann ist der Widerstand des vorderen Abzuges reduziert, ca. 3 bis 8 N, kein Vorzugsweg mehr, zwischen beiden Abzügen befindet sich die Stecherschraube zur Justierung des Abzugswiderstandes im eingestochenen Zustand (rein wird fein)
  • Magazin: zwischen Hülsenkopf und Hülsenbrücke liegend, Zick-Zack-Magazin, Kapazität sind 5 Patronen, Patronen müssen bei Nichtnutzung einzelnd heraus repetiert werden,
  • ZF-Montage: Suhler-Einhak-Montage (Vierfuß-Montage) eine Montageeinheit auf der Hülsenbrücke und eine auf dem Hülsenkopf zur Aufnahme eines Zielfernrohres,
  • Beschußzeichen: linksseitig am Patronenlager und Verschluss (Unterseite Kammerstengel)
  • Kaliberangabe: linksseitig am Patronenlager (.243 Win. = 6,2 x 51) 
  • Abzugseinheit (Druckpunktabzug mit dt. Stecher und Stecherschraube)

Dreh-Kammer-Zylinder-Verschluss und seine Bauteile

Hülsenkopf – Hülsenbrücke (mit ZF Montageteile) – Zick-Zack-Magazin

Links in Höhe des Patronenlagers stehen die Beschusszeichen sowie die Kaliberangabe.

5.2 Repetierbüchse – Blaser „R 93“

… ist eine Repetierbüchse in modularer Bauweise, die 1993 in den Markt eingeführt wurde. Modular bedeutet: Lauf m. Patronenlager, Verschluss und Schaft sind innerhalb der Baureihe „R 93“ untereinander austauschbar. Bei Laufwechsel in eine andere Kalibergruppe ist zusätzlich das Magazin und der Verschlusskopf mit zu wechseln.

  • Verschluß: Der Verschluss wird nur in einer Ebene bewegt. Geradezug-Verschluss oder Radial-Bund-Verschluss mit Spreizhülse, diese verriegelt in einer Ringnut hinter dem Patronenlager.
  • Schloss: Handspann-Schloss mit Selbstspannfunktion (im Verschluss verbaut), für den ersten Schuss einer Serie muss die Waffe per Hand über den Handspannschieber gespannt werden, durch den Repetiervorgang wird die Waffe für den nächsten Schuss erneut gespannt (Selbstspannfunktion).
  • Sicherung: … entfällt, weil Handspann-Schloss mit Selbstspannfunktion vorhanden ist.
  • Abzug: … ist ein Feinabzug (ohne Stecherfunktion), Abzugsgewicht zwischen 5 bis 10 N.
  • Magazin: … ist ein Trommelmagazien, liegt über dem Abzug und ist fest verbaut, Kapazität 3 – 4 Patronen (kaliberabhängig).
  • ZF-Montage: Aufnahmevorrichtung (Ausfräsungen) auf dem Patronenlager für die Blaser-Sattel-Montage, der ZF-Montagesockel ist immer mit dem ZF fest verbunden.
  • Beschußzeichen: linksseitig auf dem Patronenlager und dem Verschlusskopf
  • Kaliberangabe: linksseitig auf dem Patronenlager (.222 Rem. =  5,6 x 43)

5.3 Ergänzung: Schlosskonstruktionen für Waffen mit feststehendem Lauf

Schloss und Verschluss sind weitesgehend in einer Baugruppe zusammengefasst

  • Zylinderschloss = Kammerschloss, Schlagbolzen mit Schlagbolzenfeder ist im Verschlusszylinder = Kammer untergebracht und wird von der den hinteren Kammerabschluss bildenden Schlagbolzenmutter gehalten.

Dies ist die mit Abstand am häufigsten verwendete Systemart für Gewehre mit feststehendem Lauf, z. B. Drehkammersystem (z. B. Mauser M 98). Weitere Schlossarten bei Repetierwaffen sind:

  • Geradezug-System (z. B. Blaser R 93, R 8 mit Radialbundverschluss)
  • Blockschlosse
  • Selbstladeschlosse

5.4 Standard-Drilling – „J.P.Sauer & Sohn“

Der Drilling ist eine kombinierte Kipplaufwaffe mit zwei nebeneinander liegenden Flintenläufen (Schrotläufe) und einem darunter liegenden Büchsenlauf (Kugellauf) – Einzelladewaffe. Alle Läufe zusammen bilden das Laufbündel, welches fest mit einander verlötet ist. Es war zu früheren Zeiten die Allround-Waffe der Jäger. 

  • Verschluß: … ist ein Greenerverschluss, einzelne Bestandteile sind: Laufschienenverlängerung mit Querbohrung, Ausfräsung in der Basküle zur Aufnahme der Laufschienenverlängerung, Verschlusshebel (nach rechts drücken) zur Bedienung des Greener-Querriegels und der Verschlusskeile, die in die beiden Laufhaken einrasten.
  • Schloss: … ist ein selbstspannendes Blitzschlosssytem (drei Blitzschlosse), wird durch den Öffnungsvorgang gespannt, erkennbar als solches durch die große Schlossschraube am Boden der Basküle
  • Sicherung: … ist eine Hebelsicherung, linksseitig am Kolbenhals, ist der Hebel nach hinten gezogen, ist die Waffe komplett gesichert (S = Safe), Hebel nach vorne (unten) ist die Waffe entsichert. Durch den Sicherungshebel werden die beiden Abzugsblätter gegen Bewegung gesperrt, funktional die schlechteste Sicherung, da das gesicherte Bauteil (Abzugsblatt) am weitesten vom Schlagbolzen entfernt ist.
  • Abzugseinheit: Vorderer Abzug (rechts liegend) als Kombiabzug (Flintenabzug mit Rückstecher) löst das rechte Schrotschloss aus (ca. 20 N), nach Umschaltung auf dem Kolbenhals wird das Kugelschloss ausgelöst. Hinterer Abzug (links liegend) löst das linke Schrotschloss aus (ca. 23 N, um das Doppeln zu verhintern). Der Stecher reduziert die Abzugskraft auf ca. 3 bis 8 N, je nach Stellung der Stecherschraube (auf dem vorderen Abzugsblatt). Zum Einstechen wird der vordere Abzug nach vorne gedrückt (Klickgeräusch) mit dem Klammergriff. Wahlschieber: … ist ein auf dem Kolbenhals liegender Mechanismus, nach vorne geschoben (K) wird der vordere Abzug das Büchsenschloss auslösen (Kimme klappt auf), nach hinten gezogen (S) wird durch den vorderen Abzug das rechte Schrotschloss ausgelöst (Kimme klappt herunter).
  • ZF-Montage: zwei Aufnahmevorrichtungen sind in die Laufschiene eingelötet, hier ist eine Schwenkmontage vorhanden.

5.5 Blaser Bockbüchsflinte „BBF 95″

Die Bockbüchsflinte ist eine kombinierte Kipplaufwaffe mit übereinander liegenden Läufen, oben liegenden Flintenläufen (Schrotläufe) und darunter liegenden Büchsenlauf (Kugellauf), aufgebockt, es handelt sich um eine Einzelladewaffe. Die beiden Läufe sind nicht fest mit einander verbunden, Ausnahme: am Ende des Vorderschaftes gibt es eine Ringlaschenverbindung, punktartige Verbindung, Justierung der Läufe zu einander dort möglich.

  • Verschluß ist ein Laufhakenverschluss (Keilverschluss), dieser wird über den Verschlusshebel bedient, ein breiter Verschlusskeil wird in den Laufhaken hinein gedrückt (verschlossen), zum Öffnen – Verschlusshebel nach rechts bewegen.
  • Schloss ist ein Einschlosssystem mit separaten Handspannschieber auf dem Kolbenhals, Handspannschieber nach vorne = gespannt, Handspannschieber nach hinten = entspannt. Im gespannten Zustand ist die Abgabe eines Schusses möglich, der Handspannschieber muss erneut nach vorne gedrückt werden, um einen zweiten Schuss aus der geschlossenen Waffe abzugeben.
  • Sicherung entfällt, da Handspannsystem, sehr sicher, Waffe kann geladen sein und im entspannten Zustand kann kein Schuss abgegeben werden.
  • Abzugseinheit: Zwei Feinabzüge, jeweils 5 bis 10 N Abzugskraft, vorderer Abzug löst den Büchsenschuss ( Kugelschuss) aus, der hintere Abzug löst das Schloss für den Flintenlauf (Schrotschuss) aus.
  • ZF-Montage: Aufnahmevorrichtung (Ausfräsungen) auf dem Patronenlager für die Blaser-Sattel-Montage, der ZF- Montagesockel ist immer mit dem ZF fest verbunden.
  • Beschußzeichen: vier Beschußzeichen auf der Waffe, an jedem Lauf, dem Patronenlager und rechte Stirnfläche der Basküle
  • Kaliberangabe: linksseitig auf dem Patronenlager (Schrot: 12/70; Büchse: .308 oder 5,6 x 52 R, [Es gibt zwei identische Blaser BBF 95 in der Jagdschule])
  • Technische Besonderheit: Der Schrotlauf und Kugellauf sind nicht fest miteinander verlötet, statt dessen gibt es eine Ringlaschenverbindung (punktuelle Verbindung). Dadurch kann es nicht zum „Klettern“ kommen (Abweichung der Trefferlage nach mehreren Büchsenschüssen innerhalb kurzer Zeit)

5.6 Bockflinte „Miroku“

Die Bockflinte hat zwei gleichkalibrige Flintenläufe übereinander liegend, die fest mit einander verlötet sind (aufgebockt). Auf dem oberen Lauf ist eine Laufschiene mit Perlkorn als offene Visierung. Die Laufschiene ist ventiliert (mit Langschlitzen versehen) zur Ableitung der aufsteigenden Wärme, um das Hitzeflimmern zu verhindern.

  • Verschluß ist ein Laufhakenverschluss (Keilverschluss), dieser wird über den Verschlusshebel bedient, ein breiter Verschlusskeil wird in den Laufhaken hinein gedrückt (verschlossen), zum Öffnen – Verschlusshebel nach rechts bewegen.
  • Schloss ist ein selbstspannendes Schloss bestehend aus zwei Kastenschlossen, beim Brechen der Waffe = gespannt, Schloss erkennbar über Ausschluss – keine Schlossschraube am Boden der Basküle, keine Verlängerung der Flanken an der Basküle = Kastenschlosssystem!
  • Sicherung: … liegt auf dem Kolbenhals als kleiner Schieber, nach vorne = entsichert, nach hinten = gesichert, Sicherung wirkt auf die Abzugsstange, Zusatz: in gesicherter Stellung läßt sich der Sicherungsschieber nach links und rechts bewegen = Auswahl, welches Schloss bei der ersten Abzugsbewegung ausgelöst wird, zu erst oben oder nach Wahl zu erst unten, wichtig wegen unterschiedlicher Chokebohrung
  • Abzugseinheit: Selektiver Einabzug als Flintenabzug (ca. 20 N), je nach Wahl des Sicherungsschieber in gesicherter Stellung bei erster Abzugsbewegung unterer Lauf oder oberer  Lauf wird abgefeuert, Pendelgewicht, Vorteil: kein Umgreifen für zweiten Schuss,
  • Beschußzeichen: auf jedem Lauf und Innen am Boden der Basküle
  • Kaliberangabe: linksseitig an jedem Lauf 18,4 (mm) entspricht Kaliber 12, Unterseite Laufhaken 2 ¾“ (70 mm) gibt dle Länge des Patronenlagers an. Kaliber: 12/70.  
  • Sonstiges: zusätzlich sind linksseitig in Höhe des Ejektors: * auf dem oberen Lauf und ** auf dem unteren Lauf für die Chokeangabe zu finden  (* = Voll-Choke; ** = Dreiviertel-Choke)

5.7 Ergänzung: Die gebräuchlichsten Verschlüsse für Kipplaufwaffen

(Flinten, Büchsen, kombinierte Gewehre)

Es werden im Wesentlichen folgende 5 Verschlussarten unterschieden:

  • Greener-Verschluss
  • Kersten-Verschluss (Doppel-Greener-Verschluss)
  • Purdey-Verschluss
  • Flanken-Verschluss
  • Laufhaken-Verschluss (Keilverschluss)

5.8 Ergänzung: Die gebräuchlichsten Schlosssysteme für Kipplaufwaffen

HahnspannerSelbstspannende SchlosseHandspannschlosse
Das Schloss wird von außen gespannt mit einem außen liegenden HahnKeine SicherungSchloss wird indirekt durch eingebauten Mechanismus beim Abkippen des Laufes bzw. Laufbündels gespanntHierbei ist der Vorderschaft wichtig als Widerlager für die SpannhebelDas Schloss wird direkt von außen gespannt oder entspannt mit einem SpannschieberSicherheitsvorteil: das Schloss wird erst unmittelbar vor dem Schuss (erst im Anschlag) gespannt, weshalb keine zusätzliche Sicherung erforderlich ist
Schlosskonstruktionim übertragenen Sinn ein SeitenschlossSchlosskonstruktionen1. Blitzschloss2. Kasten bzw. Anson- &Deeley-System3. SeitenschlossSchlosskonstruktionen1. Einschlosssystem2. Zweischlosssystem

5.9 Revolver „Taurus“

Der Taurus-Revolver ist in Brasilien hergestellt und hat einen 6“ Lauf, das besondere bei Revolvern ist ihre Konstruktion, die Trommel hat zwei wichtige Funktionen: 

  • Magazin; 
  • Patronenlager. 

Lt. § 19 BJagdG ist die Verwendung von Kurzwaffen verboten, mit Ausnahme zur Baujagd, Fallenjagd (ohne Mindestkaliber und Energieanforderungen) und Fangschuss auf Schalenwild (E0  =  200 Joule).

  • Sicherung: … ist eine innenliegende Hahnsperre. Die Waffe wird ausschließlich über die Betätigung des Abzuges entsichert, auch wenn der Hahn gespannt ist und die Waffe einem Sturz unterliegt bricht kein Schuss.
  • Abzugseinheit: … ist ein Double-Action-Abzug = Spann-Abzug (Doppelte Aktion:
    • Spannen – Schussabgabe) mit ca. 40 N. Die Waffe läßt sich auch im Single-Action-Modus nutzen durch das Vorspannen des außenliegenden Hahns, dann ca. 20 N.
  • Beschußzeichen: 1x linksseitig am Lauf, 1x linksseitig unten am Rahmen, 1x zwischen den Transportrasten auf der Trommel.
  • Kaliberangabe:rechtsseitig am Lauf (.357 Mag.)

5.10 Ergänzung: Abzüge

Aufgabe: Abzüge dienen zum Auslösen des gespannten Schlosses

5.10.1 Abzugsarten

Druckpunktabzug

  • erst nach einem gewissen Vorzugsweg wird ein Widerstand (Druckpunkt) spürbar. Nach dessen Überwindung bricht der Schuss (ca. 20 N – Abzugskraft)
  • bei Militärwaffen, Waffen mit deutschem Stecher, Selbstladewaffen, Sportwaffen

Flinten- bzw. Direktabzug

  • trocken stehender Abzug ohne Vorzugsweg 
  • Abzugswiderstände von ca. 18 – 20 N beim vorderen, ca. 20 – 23 N beim hinteren Abzug (1 Newton = 100 Gramm)
  • Typisch für Flinten 

Feinabzug

  • auch  „Flinten-Abzug bei Büchsen“ genannt
  • trocken stehender Abzug ohne Vorzugsweg
  • Abzugswiderstand ca. 5 – 10 N
  • ideal für Ansitz- und Drückjagdbüchsen 

Spannabzug oder Double-Action Abzug

… häufigste Abzugsart bei Kurzwaffen, dient neben dem Auslösen des Schusses auch dem Spannen des Schlosses, erkennbar am in der Mitte sitzenden Abzug (gelegentlich auch als Double-Action-Only-Abzug bezeichnet)

Single-Action Abzug

…gelegentlich bei Revolvern; vor jedem Schuss muss der Hahn gespannt werden; bei Pistolen muss nur vor dem ersten Schuss der außenliegende Hahn gespannt werden!

Gewehre mit Einabzug

Ein Abzug, der nacheinander verschiedene Schlosse auslöst. Vor allem bei Flinten erhältlich. Nach einem Schuss wird der Einabzug durch den Rückstoß auf das nächste Schloss umgestellt. Zweiläufige Gewehre haben meist einen Umschaltschieber, mit welchem die Schussreihenfolge vorgewählt werden kann (selektiver Einabzug).

Kombiabzug

Flintenabzug mit Rückstecher (französischer Stecher) Kombiabzüge sind häufig bei Repetierbüchsen zu finden, sowie bei kombinierten Waffen, der vordere Abzug. 

Uneingestochen ca. 18 N, eingestochen ca. 5 N

Stecherabzüge für den Büchsenschuss

Abzüge, bei denen der Abzugswiderstand durch Betätigen des Stecher-Mechanismus sehr stark reduziert werden kann (auf ca. 3 N), sodass bei eingestochenem Gewehr zur Schussauslösung eine leichte Berührung des Abzugs (oder Erschütterung des Gewehrs) genügt!

Deshalb sind eingestochene und entsicherte Gewehre extrem gefährlich!

  • Einstechen erst unmittelbar vor dem Schuss, nach dem Entsichern im Anschlag
  • Eine eingestochene Waffe, mit der man nicht zum Schuss kommt, muss gesichert und entstochen werden (UVV) 

Deutscher Stecher oder Doppelzüngelstecher

  • nur üblich bei einläufigen Büchsen
  • hinter dem eigentlichen Abzug (Züngel) befindet sich ein zweites Züngel (Abzug), welches durch Zurückziehen den Stechermechanismus aktiviert.
  • Achtung: Versehentliches Vordrücken des Stecherzüngels löst den Schuß aus (sofern das Schloss gespannt und entsichert ist)!
  • bei nicht aktiviertem Stecher hat der vordere Abzug einen Vorweg (Druckpunktabzug)
  • zwei „Abzüge“ mit in der Mitte sitzender Stecherschraube 

Französischer Stecher oder Rückstecher

  • üblich vor allem an Kipplaufgewehren, jedoch auch an Repetierbüchsen
  • Abzug mit Stecherschraube auf der Rückseite des (vorderen) Abzugsblattes
  • Abzug dient dem Einstechen des Schlosses und Lösen des Schusses
  • zum Einstechen wird der (vordere) Abzug mit dem Daumen auf der Rückseite nach vorn gedrückt
  • zum Auslösen des Schusses Abzug betätigen
  • bei einigen modernen Konstruktionen wird durch Betätigung der Sicherung oder Öffnen des Verschlusses automatisch entstochen (Entstechautomatik)

5.11 Zusammenfassung zu Sicherungen

  • Sicherungen sollen ein unbeabsichtigtes Lösen des Schusses verhindern
  • bei gespannter Waffe kann sich durch Erschütterung (z. B. Umfallen) ein Schuss lösen, wenn kein Sicherungsmechanismus dies verhindert
  • Waffen, die geladen, aber entspannt geführt werden (Hand- und Hahnspanner) besitzen keine Sicherung

Merke: Sicherungs- und Spannungszustand einer Waffe sind vollkommen voneinander unabhängige Zustände, die nichts miteinander zu tun haben.

5.11.1 Sicherungsarten bei Kipplaufwaffen

Bei Kipplaufwaffen werden die Sicherungen entsprechend des blockierten Teils des Schlosses unterschieden:

Abzugssicherung

  • arretiert den Abzug bzw. das Abzugsblatt
  • unsicherste und gleichzeitig häufigste Form (90%) 

Stangensicherung

  • Arretiert die Abzugsstange (bewegliches Bauteil im Schloss)
  • bei Waffen mit Seitenschloss: Fangstange 

Schlagstücksicherung

  • arretiert das Schlagstück
  • sicherste und gleichzeitig seltenste Form 

Automatische Sicherung

  • Schiebesicherung bei Kipplaufwaffen, die automatisch beim Betätigen des Verschlusshebels gesichert wird
  • lässt sich grundsätzlich nur im geschlossenen Zustand entsichern, deshalb ist ein materialschonendes Entspannen grundsätzlich nur mit Pufferpatronen möglich

5.11.2 Sicherungen bei Repetierbüchsen

Abzugssicherung

… wirkt auf den Abzug selbst

Schlagbolzensicherung

… wirkt auf den Schlagbolzen und ist somit die zuverlässigste Sicherung. Zumeist wird die Kammer blockiert, sodass sich die Waffen im gesicherten Zustand nicht öffnen lassen (z. B.: Mauser 98)

5.11.3 Betätigung der Sicherung

Schiebesicherung

  • z. B. die meisten Flinten  

Dreistellungsdrehflügelsicherung

  • wirkt auf die Schlagbolzenmutter
  • z. B. Mauser System 98 

Greener-Hebelsicherung

  • seitlich angebracht
  • z. B. beim Drilling 

Druckknopfsicherung

  • meist im Abzugsbügel integriert
  • z. B.: halbautomatische Flinte (Franchi) 

Griffstück- oder Handballensicherung 

  • Griffstück gedrückt = entsichert
  • z. B. bei einigen Pistolen 

Magazinsicherung

  • gibt es bei einigen Pistolen , Vorteil: bei herausgenommenem Magazin keine Schussabgabe möglich

Merke: Bei den meisten Sicherungen wird zur Mündung hin entsichert („Gefahr“) und zum Schützen hin gesichert („Sicherheit“)

Merke: Am Sichersten ist die entladene Waffe!

An 2. Stelle steht die entspannte Waffe!

An 3. Stelle steht die gesicherte Waffe!

„Handhaben Sie eine Waffe immer so, als ob sie geladen und entsichert sei!“

5.12 Lade- und Entladevorrichtungen

5.12.1 Magazine

  • Einläufige Gewehre mit feststehendem Lauf (Repetiergewehre, Selbstladegewehre) sind als Mehrlader mit Patronenmagazin konstruiert
  • Wesentliches Merkmal des Mehrladers ist die direkte Zuführung der Patronen aus dem gefüllten Magazin in das Patronenlager beim Vorgleiten des Verschlusses. (Funktionaler Unterschied zum „Schaftmagazin“, welches als Sonderausstattung vor allem in den Schaft von Kipplaufgewehren eingebaut wird und nur zur Aufbewahrung von Reservemunition dient)

5.13 Patronen – Ausziehmechanismus 

  • Jedes Gewehr muss eine Vorrichtung haben, damit nach dem Schuss die leeren Patronenhülsen oder nicht abgeschossenen Patronen aus dem Patronenlager heraus gezogen werden kann.
  • Funktioniert der kaum augenfällige und deshalb meist wenig beachtete Ausziehmechanismus nicht mehr, ist das Gewehr nicht mehr einsatzfähig.
  • An Kipplaufgewehren schlittenartig beweglicher Auszieher am Lauf.
  • Geteilter Auszieher an kombinierten Gewehren (Teilung erleichtert das Entladen des Büchsenlaufs) 

5.13.1 Sonderform Ejektor

  • Auszieher steht nach dem Abschlagen des Schlosses unter Federdruck (Federn sind im Vorderschaft untergebracht) und wirft abgeschossene Hülsen oder Versagerpatronen beim Öffnen der Waffe automatisch aus. Mehrläufige Waffen, die mit einem Ejektor ausgerüstet sind, erkennt man am geteilten Patronenauszieher, siehe Abbildung 5.16.
  • Ejektorgewehre müssen stets durch Abschlagen der Schlosse, möglichst unter Verwendung von Pufferpatronen entspannt werden, weil Entspannen durch Ziehen der Abzüge beim Schließen des Verschlusses die Ejektoren beschädigt
  • An Gewehren mit feststehendem Lauf: in den Verschluss/das System integrierter Mechanismus, die sogenannte Auszieherkralle, welche in die dafür vorgesehene Rille am Hülsenboden greift.

5.14 Signalstifte

… sind bei vielen Kipplaufwaffen zu finden. Sie zeigen entweder den Spannungszustand der Schlosse an (z. B.: Drilling, manche Flinten und BBF) oder den Ladezustand.

5.15 Choke („Würgebohrung“)

Verengung oder Aufweitung bei Flintenläufen im Bereich der Laufmündung (ca. 10 cm vor Laufmündung beginnend). Er dient zur Beeinflussung der Breitenstreuung (je enger gechokt, desto geringer ist die Breitenstreuung auf gleiche Schussentfernung)

Unterscheidung nach Stärke der Verengung:

ChokeVerengungsgradOptimale DistanzTreffer-% auf 35 m / 75 cm
¼-Choke ****ca. 0, 25 mm10 – 15 m55 %
½-Choke ***ca. 0, 5 mm12 – 25 m60 %
¾-Choke **ca. 0,75 mm20 – 30 m65 %
1/1 Vollchoke *ca. 1,0 mm25 – 35 m70 %
  • i.d.R. ist der obere oder linke Lauf enger gebohrt (hinterer Abzug: 2. Schuss)! Standard: ½ und 1/1. Für kurze Entfernung (Kaninchenjagd oder Skeetschießen) ¼ und ¾ Choke,
  • daneben gibt es noch für besondere Zwecke Zylinderbohrung, Skeetbohrung und Glockenbohrung

5.15.1 Wechselchokes

Moderne Flinten besitzen i.d.R. Wechselchokes (austauschbare Chokes durch Ein- und Ausschrauben an der Laufmündung), welche den Einsatzbereich erweitern (z. B.: Verschießen von Weicheisen- und Zinkschrot)

5.16 Der Schaft einer Langwaffe

5.16.1 Deutscher Schaft (Normalform)

  • stets mit Pistolengriff
  • mit oder ohne Buckel (Schweinsrücken)
  • ohne Backe, mit bayrischer Backe  oder deutscher Backe

5.16.2 Monte Carlo Schaft

  • stets mit Pistolengriff
  • stets ohne Buckel 
  • stets mit Monte-Carlo-Effekt (deutlich abfallender Rücken am Schaftende)
  • mit bayrischer oder Monte-Carlo-Backe, z. T. auch ohne Backe

5.16.3 Englischer Schaft

  • stets ohne Pistolengriff
  • stets ohne Buckel 
  • stets ohne Back

5.16.4 Verstellbarer Schaft

  • verstellbarer Schaftrücken
  • verstellbare Schaftlänge
  • Einstellungen ohne Werkzeug

5.16.5 Ganzschaft (Stutzen)

Schaft, der bis zur Mündung reicht (nicht verwechseln mit Bergstutzen)

5.16.6 Fischhaut

5.16.7 Schaftmaterial

Holz 

Nussbaum, oft Wurzelholz aus Wurzelanläufen – besondere Maserung

Buche (oftmals auf Nussbaum gebeizt)

Schichtholz

verzugsstabiler, da Holzlagen immer um 90° versetzt verleimt (Sperrholz)

Kunststoff

verzugsfrei, sehr robust und witterungsbeständig

Merke: Optimale Trefferergebnisse nur mit frei liegenden Läufen erzielbar Schaft darf daher nicht am Lauf anliegen (der Lauf muss frei schwingen können) Holzschäfte daher regelmäßig überprüfen („Papierprobe“).

5.16.8 Schaftmaße

Regel: „Der Lauf schießt, der Schaft trifft!“

Beim Schuss auf flüchtiges Wild ist es wichtig, dass der Schaft den Körpermaßen des Schützen entspricht. Dafür sind 4 Schaftmaße entscheidend:

Schaftlänge

  • normal: ca. 36 bis 37 cm
  • gemessen vom vorderen Abzug bis zur Schaftkappe
  • Schaftlänge = (a + b + c) /3 (gemittelt)

Schränkung

  • seitliche Abweichung des Schaftrückens zur gedachten rückwärtigen Verlängerung der Visierlinie
  • abhängig vom Abstand Auge – Wangenknochen
  • Schäfte müssen „aus dem Gesicht heraus geschäftet“ sein, also beim Rechtsschützen nach rechts (siehe Abbildung), beim Linksschützen nach links

Senkung

  • Abstand Schaftnase bzw. Schaftkappe zur gedachten rückwärtigen Verlängerung der Visierlinie
  • abhängig von der Halslänge

Pitch

  • Maß für die „Schräge der Kolbenkappe“
  • wichtig für den Anschlag im Schulterbereich

5.16.9 Funktionen des Vorderschafts (Kipplaufwaffen)

  • Handschutz
  • Widerlager für die Spannhebel (bei selbstspannenden Kipplaufwaffen)
  • Hält beim Brechen der Waffe Laufbündel und Schaft zusammen 
  • Im Vorderschaft sind die Ejektorfedern untergebracht