Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung
1 Haarwild
Vorbemerkung: In diesen Lernunterlagen zur Wildbiologie werden nicht nur Haar- und Federwildarten behandelt, sondern darüber hinaus weitere für den Jäger wichtige, dem Naturschutzrecht unterstehende Tierarten (Wolf, Kranich, Eulen etc.).
Dazu gehören Säugetiere, die dem Jagdrecht unterliegen.
Unterteilung des Schalenwilds:

1.1 Kennzeichen der Säugetiere
- Lebend gebärend
- Jungen werden gesäugt
- Mit Haaren bedeckte Haut
- Schädel-, Rumpf- und Gliedmaßenskelett
- Schädelskelett mit unterschiedlichen Zähnen
- Zwerchfell trennt Brust- und Bauchhöhle voneinander
- Harnblase
- In der Regel polygam

| Brusthöhle bzw. Kammer | Herz und Lunge |
| Bauch- und Beckenhöhle | Leber, Nieren, Milz (mit Pansen verwachsen), Pansen, Darm, Geschlechtsteile, Harnorgane |
Kammer- und Bauchhöhle werden durch das Zwerchfell (in der Grafik dunkelblau gekennzeichnet) voneinander getrennt
1.2 Wiederkäuer
Hierzu gehört alles Schalenwild außer Schwarzwild.
1.3 Funktionen der einzelnen Mägen
| 1. Pansen | Sammel- und Gärkammer, Pansenzotten mit Verdauungsbakterien (Symbiose) |
| 2. Netzmagen | Sortierung (Wiederkäuen von groben Nahrungsbestandteilen) |
| 3. Blättermagen | Entzug von Wasser und Mineralstoffen |
| 4. Labmagen | Aufspaltung der Nahrung (Enzyme) |

1.4 Äsungstypen bei den Wiederkäuern
| 1. Konzentratselektierer | 2. Mischäser | 3. Raufutteräser |
| Reh- und ElchwildLeicht verdauliche Äsung (faserarm, eiweißreich)Viele PansenzottenViele kurze Äsungs-perioden, da kleiner Pansen (ca. 8 bis 12) | Rot-, Dam-, Sika- und GamswildEtwa 6 bis 8 Äsungsperioden | Muffel- und SteinwildSchwer verdauliche Äsung, faser- und cellulosereichGroßes PansenvolumenWenige PansenzottenWenige, lange Äsungsperioden (ca. 2 bis 4) |
1.5 Wiederkäuergebiss

| 1. | 3 Schneidezähne im Unterkiefer | 5. | 6 Backenzähne |
| 2. | 1 Eckzahn mit Schneidezahnfunktion | 6. | Grandel (besitzt Rot- und Sikawild immer!) |
| 3. | 3 Prämolaren im Unterkiefer | 7. | Gaumenplatte (keine Schneidezähne) |
| 4. | 3 Molaren im Unterkiefer |
1.6 Kennzeichen des Wiederkäuergebisses
- im Oberkiefer keine Schneidezähne
- im Oberkiefer zum Teil Eckzähne (sogenannte Grandeln immer bei Rot- und Sikawild)
- im Unterkiefer Eckzahn zu einem 4. Schneidezahn umgebildet
- im Unterkiefer große Lücke zwischen Schneide- u. Backenzähnen
- hochkronige, gefurchte Molaren mit Kunden
- 32 oder 34 Zähne
1.7 Aufbau eines Molars
1.7.1 Altersbestimmung anhand eines Unterkiefers
Erscheinen der Molaren (M1, M2, M3: Die Molaren gibt es nur als Dauerzähne). P3: Wechsel vom Milchgebiss zum Dauergebiss, vor allem vom 3-teiligen P3 zum 2-teiligen P3. Abschliff der Kunde auf der vorderen Säule des M1, weil dies der älteste Dauerzahn ist (Altersschätzung). Kunden sind die taschenförmigen Vertiefungen auf den Molaren. Wenn die Kunde auf der vorderen Säule des M1
abgeschliffen ist, ist das Reifealter erreicht (Rehbock 5 Jahre, Damhirsch 8 Jahre, Rothirsch 10 Jahre).



1.8 Unterscheidung Geweihträger – Hornträger
| Kennzeichen der Cerviden | Kennzeichen der Boviden | |
| 1. | Kopfschmuck aus Knochensubstanz (vor allem Kalk) | Kopfschmuck aus Knochensubstanz (vor allem Kalk) |
| 2. | Nur die männlichen Tiere tragen ein Geweih (Rehbock: Gehörn) | In der Regel beide Geschlechter mit Kopfschmuck (außer Muffelschafe) |
| 3. | Geweih mit Spitzenwachstum | Horn mit Basiswachstum |
| 4. | Jährliches Abwerfen und Neubilden (Schieben in ca. 140 Tagen) des Geweihs | Kein Abwerfen, lebenslängliches Wachstum, jeweils von März bis Oktober,sichere Altersbestimmung möglich, weil im Winter Jahresringe gebildet werden |
| 5. | Steuerung des Geweihwachstums über Geschlechts- und Wachstumshormone | |
| 6. | Geweih während des Wachstums mit Bast (Nährgewebe) umhüllt | |
| 7. | Erstlingsgeweih immer ohne Rosen | |
| 8. | Rosenstöcke | Stirnzapfen |
| 9. | Keine Gallenblase an der Leber | Gallenblase vorhanden |
1.9 Nierenfettindex
Der Nierenfettindex erlaubt ab September die Beurteilung der Kondition des erlegten Wildes. Er ist zur Konditionsbeurteilung zuverlässiger als das Körpergewicht. Im Unterschied zum Körpergewicht ist der Nierenfettindex unabhängig von der Größe des Tieres. Zu Beginn des Winters sollten die Nieren weitgehend von Feist bedeckt sein. Ist dies nicht der Fall, konnte das Tier aufgrund von bestimmten Umständen (Störungen, zu hohe Wilddichte) nicht genügend Feist bilden.
