Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

9 Einzeljagdarten

9.1 Der Ansitz bzw. die Ansitzjagd

Beim Ansitz erwartet der Jäger das Wild an häufig aufgesuchten Orten. Der Ansitz wird vorwiegend auf Schalenwild und Raubwild sowohl im Feld als auch im Wald durchgeführt. Da unsere Hauptwildart Rehwild den Waldrand bevorzugt, lohnt sich dort die Bejagung insbesondere.

9.1.1 Vorteile:

  • Der Ansitz bietet die besten Möglichkeiten für ein sauberes Ansprechen und einen sicheren Schuss. Einerseits hat man i.d.R. genügend Zeit zum An-sprechen, andererseits ist i.d.R. ein Kugelfang vorhanden
  • Außerdem hat man mehr Zeit für den Schuss als bei anderen Jagdarten und eine gute Gewehr- und Armauflage
  • Hinzu kommt, dass man bei sachgerechter Ausführung (z. B. Intervalljagd) weniger Störung im Revier als bei der Pirsch verursacht

9.1.2 Nachteile:

  • Kosten für die jagdliche Einrichtung
  • Landschaftsbild
  • begrenztes Schussfeld bzw. Beobachtungsfläche
  • Wird die Ansitzjagd häufig im selben Revierteil ausgeübt, entsteht oft ein ungewollter Jagddruck

9.1.3 Ansitzeinrichtungen:

  • Schirm (verblendeter Erdsitz – Kugelfang!!!)
  • Ansitzhütte
  • Drückjagdbock
  • Ansitzleiter 
  • offene Kanzel
  • geschlossene Kanzel
  • fahrbare Kanzel

Geeignete Holzarten für den Hochsitzbau:

  • Fichte
  • Douglasie
  • Lärche
  • Eiche
  • Robinie

Ungeeignete Holzarten für den Hochsitzbau:

  • Buche
  • Erle
  • Birke

Was muss man beim Bau und Errichten einer jagdlichen Einrichtung beachten?

  • Anzeige beim Grundstückseigentümers
  • Landschaftsbild, bei der Errichtung von Jagdeinrichtungen sind die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu beachten.
  • UVV; vor jeder Benutzung Ansitzeinrichtung kontrollieren, mindestens jedoch einmal jährlich), beim Besteigen oder Verlassen eines Hochsitzes müssen die Läufe (Patronenlager) entladen sein.
  • Erreichbarkeit: Sowohl beim Hin- als auch beim Weggehen sollte der Jäger wenn möglich nicht vom Wild bemerkt werden
    (möglichst auf zuvor angelegten Pirschwegen)!
  • Windrichtung
  • möglichst nicht in Bäume einbauen bzw. anlehnen

9.2 Die Pirsch

Die Pirsch ist die anspruchsvollste Jagdart, oft auch als „Königsdisziplin“ der Jagd bezeichnet. Der Jäger bewegt sich (pirscht) zum Wild, v. a. auf Schalenwild während der Äsungssuche. Die Pirsch ist die schwierigste Jagdart, da dem Wild die meisten Chancen eingeräumt werden. Das wichtigste bei der Pirsch ist, dass der Jäger zuerst das Wild sieht und nicht umgekehrt. Beim Pirschen steht man mehr, als man geht. Man legt in 10 Minuten nicht mehr als 100 m zurück. Gepirscht wird in unseren Revieren in Mecklenburg-Vorpommern vorwiegend auf Rehwild und Schwarzwild; auf Sauen im Feld oder in masttragenden Waldbeständen.

Bei der Pirsch muss man immer beachten, dass:

  • es häufig wenig Zeit zum Ansprechen und Schießen gibt;
  • das Schießen erschwert ist, da man keine Gewehrauflage hat (nur Pirschstock), man im flachen Gelände oft kein Kugelfang hat; 
  • die Gefahr der Beunruhigung des Reviers, v. a. in Rotwildrevieren groß ist, deshalb sollte in kleinen Revieren (bis 250 ha) nur die Ansitzjagd ausgeübt werden;
  • möglichst gegen den Wind gepirscht wird (Augenwind bzw. halber Wind); die Windrichtung muss immer wieder geprüft werden, weil das Wild sehr gut wittert;
  • man sich möglichst geräuschlos und langsam bewegt, also vor allem auf sauberen Pirschwegen pirscht;
  • genaue Revierkenntnisse erforderlich sind hinsichtlich der Reviergrenzen;
  • genaue Kenntnisse über das verhalten des Wildes notwendig sind (wo steht wann das Wild)
  • eine Absprache mit den Mitjägern unerlässlich ist (treffen sich zwei Jäger …)

Gut geeignetes Pirschwetter: schwacher Bodennebel, Nieselregen

Schlechtes Pirschwetter: dichter Nebel, Trockenheit seit Tagen, knackender Frost, kalter Wind, bevorstehender Wettersturz, Sommerhitze

Pirsch-Regel: Morgens gehen, abends stehen!

9.3 Die Suchjagd

Findet im freien Feld auf  Fasan und Hase mit einem Vorstehhund statt! Der Jäger geht mit seinem Hund über das Feld, der Hund sucht mit hoher Nase in Form einer systematischen flotten Quersuche in Sichtweite des Führers das Gelände weiträumig gegen den Wind ab. Er zeigt das Wild durch Vorstehen (Markieren, Anziehen, Vorstehen) an. In dieser Stellung bleibt der Vorstehhund, bis der Jäger das Wild heraustritt. Der Hund muss durchstehen, soll gegebenenfalls nachziehen, jedoch nicht einspringen oder nachprellen! Nach dem Schuss hat der Hund das erlegte Stück auf Befehl verlorenzubringen (apportieren).

Einschränkend: In M/V darf die Suchjagd auf Feldhasen nur ausgeübt werden, wenn mind. 20 Feldhasen/100 ha Frühjahrsbesatz gezählt wurden; siehe Jagdrecht.

9.4 Das Buschieren

Beim Buschieren geht der Jäger mit seinem Vorsteh- oder Stöberhund z. B. in begehbarem Waldgelände oder einer Brachfläche, jahreszeitlich im Herbst/Winter. Der Hund „sucht unter der Flinte“ gegen den Wind in leicht bewachsenem Gelände Feldhasen, Kaninchen, Schnepfen und Fasan. Das heißt, der Hund sucht in Schrotschussentfernung (15 – 25 m) vor dem Jäger. Hierbei muss der Hund nicht unbedingt vorstehen, sondern er kann das Wild auch herausstoßen (Stöberhund steht nicht vor, sondern stößt das Wild heraus)

9.5 Das Stöbern  

Das Stöbern ist im eigentlichen Sinn keine Einzeljagdart, sondern bezeichnet vor allem die Arbeit des Jagdhundes im Zusammenhang mit einer Drück- oder Ansitzdrückjagd (Bewegungsjagden). Der Hund wird zunächst vom Stand geschnallt. Der Jäger bleibt beim Stöbern also stehen. Hunde suchen ohne Sichtverbindung zum Führer  dicht bewachsenes, unübersichtliches Gelände (z. B. Dickungen, Schilfflächen, Brombeerverschläge) ab. Stöber- und Vorstehhunde sowie Bracken, Teckel und Terrier kommen zum Einsatz. Sie müssen das Wild dem Schützen mit Laut zutreiben. Der Schütze erwartet das Wild „draußen“, z. B. im Altholz an einem Wechsel bzw. Pass. Die Hunde müssen „bogenrein“ jagen, d. h. sie dürfen das Wild nur bis zum Dickungsrand verfolgen und müssen dann selbstständig in die abzusuchende Deckung zurückkehren und weitersuchen.

erwünscht: bogenrein, kurzjagend, spurlaut, führig, wildscharf; 

unerwünscht: stumm jagend, überjagen)

9.6 Die Lock-, Ruf- und Reizjagd

Es handelt sich hierbei um alle Jagdarten, bei denen der Jäger das Wild anlockt:

  • Geruchlich (z. B. Lockfutter) 
  • Akustisch (z. B. Laute)
  • Optisch (z. B. Attrappen) 
Geruchliche Anlockung und FuttermittelAkustische Lockjagd (mit Locklauten)Optische Lockjagd (mit Attrappen)
BuchenholzteerKirrungMäuseburgBlattjagd (Rehbock – Juli/August)Rufjagd (Rothirsch – Sept.)Reizjagd (Fuchs – Nov./Dez.)Enten, Gänse, Tauben (mit Lockattrappen)Hüttenjagd auf Rabenvögel (Hüttenuhu = Auf)

9.6.1 Geruchliche Anlockung und Lockfütterung

Buchenholzteer

Buchenholzteer ist das klassische Lockmittel für Schwarz- und Rotwild. Der markante Geruch von Buchenholzteer lockt das Wild über weite Entfernungen an und erhöht die Wahrscheinlichkeit, auf dem Ansitz an der Kirrung bzw. an der Suhle Beute zu machen. Buchenholzteer wird in der Regel an Malbäumen oder Kirrungen ausgebracht.

Schwarzwild – Kirrung (Ansitz)

Die Kirrung ist eine Hilfe zum selektiven Erlegen von Schwarzwild. Erlaubt sind in M-V max. 3 kg Mais, Getreide oder Baumfrüchteje Kirrung (keine Hackfrüchte). Es darf nur gelegentlich in den Tageseinständen gekirrt werden. An der Kirrung dürfen auch andere Wildarten, die dort zufällig vorbeiwechseln erlegt werden. Das Kirrmaterial dar nur für Schwarzwild zugänglich sein. In M-V pro angefangene 75 ha eine Kirrung erlaubt.

Mäuseburg

Als Mäuseburg wird eine bauliche Konstruktion bezeichnet, die möglichst gute Bedingungen zum Aufenthalt von Mäusen bietet und dadurch als Lockstelle für die Bejagung von Füchsen oder auch der Winterfütterung von Eulen, Mäusebussard und anderen Fressfeinden der Mäuse dient.

9.6.2 Mit Locklauten (akustisch)

Nachgeahmt werden entweder Geschlechtspartner, Nebenbuhler oder Beutetiere.

Die Blattjagd auf den Rehbock

Am Ende der Blattzeit am erfolgreichsten: 4. – 8. August. Die Lautäußerungen von Ricke, Schmalreh und Kitz werden nachgeahmt. Früher mit Buchenblatt, heute auch mit verschiedenen Fiepinstrumenten. Sinnvoll nur von niedrigen Erdsitzen oder Schirmen aus.

Fiepen = Lockruf des brunftigen weiblichen Stückes       

Kitzfiep = Ricke steht zu, und der Bock folgt 

Die Rufjagd auf den Rothirsch

In der Brunft September/Oktober in der Nähe der Brunftplätze. Ein älterer Hirsch wird nachgeahmt: der Platzhirsch soll zustehen!

Instrumente für die Rufjagd:

  • Hirschruf
  • Tritonmuschel
  • Ochsenhorn 
  • Herakleumrohr  

Merke: Der Damhirsch lässt sich nicht locken, wegen seines Brunftverhaltens (Damenwahl)

Die Reizjagd auf Fuchs

Der Fuchs wird mit Hasenklage oder Mauspfeifchen zum Zustehen gebracht (Laute von Beutetieren)

9.6.3 Lockjagd mit Attrappen

  • Enten mit Lockenten
  • Gänse mit Lockgänsen
  • Tauben mit Locktauben, Taubenkarussell
  • Rabenvögel, wo erlaubt, mit künstlichem Hüttenuhu; die sog. Hüttenjagd

Die Hüttenjagd

Hierbei nutzt man das Verhalten aller Raben- und Greifvögel aus, die auf den Uhu hassen. Früher verwendete man einen lebenden Uhu (AUF), der auf einer Jule (Pfahl mit Sitzholz) angebunden war. Der Jäger sitzt gut versteckt in einer ebenerdigen Holzhütte. Die Greife und Rabenvögel, die auf den Lockvogel hassen, können hierbei erlegt werden. Diese Jagdart wird heute noch gelegentlich auf Rabenvögel ausgeübt (Jagdzeiten etc. beachten) unter der Voraussetzung, dass es sich nicht um einen lebenden Uhu, sondern um einen künstlichen Uhu handelt.

9.7 Das Kreisen

Gekreist wird auf Schwarzwild bei Neuschnee. Der Jäger umkreist morgens die bekannten Tageseinstände (Dickungen) und kann anhand der Anzahl der Fährten, welche in die Dickung hinein- oder aus ihr herausführen, feststellen, ob sich Sauen eingeschoben haben. Das Kreisen dient also zunächst nicht dem Erlegen, sondern lediglich dem „Festmachen“ (Bestätigen) von Sauen. 

Nachdem der Jäger Sauen festgemacht hat, wird dann im Verlauf des Tages die Dickung von Jägern umstellt und die Sauen in Form einer Drückjagd mit wildscharfen Hunden (z. B. Terriern) und Treibern bejagt.

9.8 Das Ausneuen

Ausgeneut wird der Marder bei einer „Neuen“ (Neuschnee). Der Jäger verfolgt morgens die Marderspur (Paarsprung) bis zu dessen Tagesversteck. Hier wird der Marder dann vom Jäger ausgepocht oder ausgeklopft (aus hohlen Bäumen, Holzhaufen u. ä.) oder von Hunden aufgemacht (aus Strohhaufen, Feldscheunen u.ä.) und beim Springen mit Schrot erlegt. Die Spur von Baum- und Steinmarder kann man unterscheiden: Aufgrund der stärkeren Brantenbehaarung des Baummarders ist dessen Spurbild stärker verwischt.

9.9 Die Fallenjagd

Findet auf Haarraubwild und Kaninchen mit Fallen statt.

Folgende Anforderungen müssen erfüllt werden:

  • Fallen müssen entweder lebend unversehrt oder sofort tötend fangen
  • Tellereisen sind verboten
  • Fallenkontrolle: täglich morgens, Wieselwippbrettfalle zweimal täglich
  • Schadensersatzpflicht

9.10 Der Enten- und Gänsestrich  

So wird der Flug der Ente bzw. Gänse, vor allem im Sommer und Herbst, von und zu den Äsungsplätzen bezeichnet: Der Jäger steht beim Entenstrich entweder morgens am Wasser oder abends im Feld auf den Äsungsflächen. Beim Gänsestrich verhält es sich umgekehrt: Der Jäger steht entweder morgens auf den Schad- und Äsungsflächen abseits der Schlafgewässer oder abends am Wasser. Achtung! Wegen Gefahr von Abprallern kein Schuss aufs Wasser! Wichtig: Das Mitführen brauchbarer Hunde und das Bleischrotverbot (400 m) beachten.

9.11 Das Brackieren

Mit Bracken (Laufhunde) auf Feldhase, selten Fuchs. Bracken sind weit jagende Laufhunde mit großem Spurwillen, die den gestochenen Hasen spurlaut verfolgen. Da die Bracken langsamer sind als Feldhasen, handelt es sich nicht um eine Hetzjagd. Durch das spurlaute Jagen der Hunde wird der Hase veranlasst, zunächst wegzulaufen, um dann seiner Gewohnheit (Standorttreue) folgend wieder in die Nähe seiner Sasse zurückzukehren. Der Jäger erwartet hier (in der Nähe der Sasse) am Pass den Feldhasen, um ihn zu erlegen. Lt. BJG ist das Brackieren nur zulässig auf Flächen über 1.000 ha. Von den Bracken wird als züchterische Haupteigenschaft Spurlaut, Spurwille und Spursicherheit verlangt.

Das Brackieren ist im Mittelgebirge erfolgversprechender als im Flachland, weil man dort aufgrund der natürlichen Zwangspässe eher voraussagen kann, wie der Feldhase läuft. Deshalb werden Bracken im Flachland, z. B. in M-V, entweder für die Schweißarbeit oder als Finder beim Stöbern (Bewegungsjagden) eingesetzt

9.12 Die Beizjagd

Mit Steinadler, Habicht, Wanderfalke, Sakerfalke, Harrist Hawk u. a. auf Feldhase, Wildkaninchen, Fuchs, Fasan, Krähen ausgeübte Jagdart.

Voraussetzung: Falknerjagdschein (eingeschränkte Jäger- und Falknerprüfung) sowie eigenes Jagdrevier oder einen Begehungsschein + CITES-Papiere (Besitzdokument);