Schulungsmaterial für die Jungjägerausbildung

3 Damwild

3.1 Kennzeichen

3.1.1 Haarkleid

  • Starke Farbvariationen der Deckenfärbung möglich, neben wildfarbenen gibt es auch schwarze oder weiße Stücke.
  • im Sommer rehbraun mit weißen Flecken gefärbt bei Normalfärbung
  • im Winter dunkel-graubraun ohne Flecken 
  • weiße Bauchseite, schwarzer Wedel, der weiß eingefasst ist; Wedel deutlich länger als beim Rotwild
  • langer Pinsel beim Hirsch (je älter, um so länger)

3.1.2 Wildbretgewichte (aufgebrochen)

Hirsche: etwa 80 kg 

Tiere: etwa 35 kg

Kälber: etwa 20 kg (Ende Nov. / Anfang Dez.)

3.1.3 Besonderheiten 

  • Langer Wedel, der häufig in Bewegung ist
  • schwarzer Wedel auf weißem Spiegel
  • Prellsprünge

3.2 Bestätigung im Revier (Pirschzeichen)

Trittsiegel, Fährten, Lager, Haare, Wechsel, Fegestellen, Schälstellen, Abwurfstangen, Losung, Stimme, Brunftkuhlen, Direktbeobachtung

3.3   Weibliches Damwild (Kahlwild)

1. LebensjahrWildkalbAltersklasse 0
2. LebensjahrSchmaltier (ab 01.04.)Altersklasse 1
ab 3. LebensjahrAlttier (ab 01.04.)Altersklasse 2
3.4   Männliches Damwild
1. LebensjahrHirschkalbAltersklasse 0
2. LebensjahrSchmalspießer (Hirsch vom 1. Kopf)Altersklasse 1
3. LebensjahrHirsch vom 2. Kopf  (2 Jahre alt)Altersklasse 2
4. bis 8. LebensjahrHirsch vom 3. bis 7. KopfAltersklasse 3
ab 9. LebensjahrHirsch vom 8. Kopf (Reifealter erreicht)Altersklasse 4

3.5 Lebensraum

  • vor der letzten Eiszeit bei uns beheimatet
  • seit ca. 150 n. Chr. vor allem in Spanien, Frankreich, England und in Deutschland nachgewiesen
  • geschlossenes Vorkommen in England; von den Römern dorthin gebracht
  • im 11. Jahrhundert von England nach Dänemark eingeführt
  • nach Schleswig-Holstein soll das Damwild über Dänemark gekommen sein
  • Die erste historisch belegte Damwildeinbürgerung auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland fand 1577 statt. Der dänische König Friedrich II. sandte dem kurhessischen Landgrafen Ludwig IV. 30 Damhirsche, die dieser in seinem Wildpark in der Nähe der Sababurg hielt.
  • ursprünglich aus Kleinasien bzw. dem Mittelmeerraum (Mesopotamien, heute Irak) stammend.
  • bevorzugt offene, parkähnliche Landschaften oder Wald-Feld-Gemengelagen von den Niederungen bis ins Mittelgebirge vorkommend; selten über 800 m NN
  • größere Vorkommen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg

3.6 Lebensweise

  • gesellig in Rudeln (getrennt nach Geschlechtern)
  • alte, reife Damschaufler meist Einzelgänger
  • sehr anpassungsfähig, Kulturfolger, wenig empfindlich gegenüber Störungen 
  • häufig tagaktiv
  • Damwild suhlt nicht
  • Damwild schält, Damwild äugt sehr gut

3.7 Brunft

  • Mitte Oktober bis Anfang November (4 Wochen nach Rotwild).
  • Zuerst ziehen die Hirsche zu den Brunftplätzen.
  • Hirsche schlagen dort Brunftkuhlen, die sie verteidigen.
  • Die stärksten Schaufler stehen im Zentrum des Brunftplatzes.
  • Kahlwild zieht einzeln zu den Brunftplätzen und lässt sich von den stärksten Schauflern beschlagen: „Damenwahl“. 

3.7.1 Brunftlaute

  • Rülpsen 
  • Knören

3.8 Tragezeit

32 Wochen

3.9 Setzzeit

Juni, 1 Kalb (selten 2 Kälber), die beschlagenen Alttiere ziehen sich zum Setzen vom Rudel zurück. In den ersten 14 Tagen wird das Kalb abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht.

3.10 Geweih und Geweihentwicklung

  • Bildung der Rosenstöcke und des Erstlingsgeweihs (Spieße) zwischen dem 10. und 16. Monat
  • Damspießer vom 1. Kopf besitzen Wülste („Zwiebeln“), die aber keine Rosen sind.
  • Beim Damspießer sind die Dicke der Wülste und das Körpergewicht das Qualitätsmerkmal. Die Länge der Spieße ist kein Qualitätsmerkmal.

3.11 Abwurf- und Fegetermine

Ungefähr 4 Wochen später als Rotwild

AbwerfenFegen
AltMärzAugust
JungMaiOktober

3.12 Damhirschgeweih

Unerwünscht: Einschneidung der Schaufel („Krebsschere“ oder „O-Schlitz“)

3.13 Äsung

Wiederkäuer, reiner Pflanzenfresser

Mischäser (z. B. Gräser, Kräuter, Triebe, Knospen, Rosskastanien)

3.14 Gebiss

Wiederkäuergebiss mit 32 Zähnen (in der Regel keine Grandeln), Zahnwechsel mit ungefähr 30 bis 32 Monaten beendet (vgl. Rotwild)

3.15 Wildschäden

Im WaldIm Feld
VerbissschädenFegeschädenSchlagschädenSchälschädenFraßschädenTrittschädenLagerschäden

3.16 Altersschätzung am lebenden Damhirsch

3.17 Trittsiegel

Beim Damwild nehmen die Ballen ungefähr die Hälfte des Trittsiegels ein (spitze Schalen), beim Rotwild nehmen die Ballen dagegen nur etwa ein Viertel bis ein Drittel ein.

3.18 Wilddichte

5 Stück/100 ha

3.19 Zuwachs

80 % bezogen auf den weiblichen Frühjahrsbestand am 01.04.

3.20 Jagdzeiten

Schmaltiere und Schmalspießer:              16.04. bis 31.01.

Hirsche (AK 2, 3, 4), Alttiere, Kälber:       01.09. bis 31.01.

Zusammenfassung